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Katzenjammer
   
 
 

 
 


Copyright by Birgit Mulflur

Als die Geschichte "Katzenjammer" entstand war unser Vorgänger Akim zwei Jahre alt:

Katzenjammer



Heute regnet es schon den ganzen Tag. Ich liege auf der Fensterbank und sehe in den Garten. Draußen ist auch nichts los. Hoffentlich kommt Frauchen bald nach Hause. Mit Sascha kann man mal wieder nichts anfangen. Er liegt schon den ganzen Tag in seinem Körbchen in der Küche. Wenn Frauchen gleich kommt, werde ich mal ein bißchen quengeln damit ich kurz raus kann. Wenigstens mal ein bißchen Gras fressen möchte ich.

Ich dusele vor mich hin und träume von meiner Freiheit und von großen Abenteuern. Als ich Frauchens Auto höre, springe ich sofort auf. Ich setze mich in Position und wasche noch mal kurz durch mein Fell. Die Tür geht auf und sie ist da. Ich mauntze sofort los. Hallo Frauchen, wie war dein Tag. Hast Du Dich auch so gelangweilt wie ich?

Hi Kimi, warst Du auch brav? Was macht Sascha. Sie hebt mich hoch und drückt mich. Ich bekomme einen dicken Begrüßungskuß und schnurre ihr ins Ohr. Zärtlich reibe ich meinen Kopf an ihrem Haar.

Ich sehe aus dem Fenster, oh es hat aufgehört zu regnen. Sofort versuche ich Frauchen davon zu überzeugen, daß ich unbedingt raus muß. Nach einiger Zeit gibt sie erschöpft auf. Ok Kimi, Du darfst raus, aber nur ganz kurz. Draußen ist es noch viel zu kalt und zu naß. Sie legt mir mein Katzengeschirr um und bringt mich in den Garten.

Stimmt, das Gras ist ziemlich naß. Frauchen geht wieder rein. Ich streife durch die mittlerweile schon ziemlich hohen Grashalme. Bei uns im Garten gibt es viele Vögel, vor allen Dingen Spatzen. Leider ist es mir noch nie gelungen einen zu fangen. Das wäre mal ganz nach meinem Geschmack, einen von den frechen, fetten Kerlen zu fangen und ihn dann stundenlang zu Tode zu spielen. Aber alle meine Versuche scheiterten bisher kläglich. Nicht zuletzt wegen meines gut gepolsterten Bäuchleins.

Die Sonne scheint nun doch noch. Ich genieße die warmen Strahlen auf meinem Fell und gucke mal kurz in den Teich. Die Fische schwimmen langsam hin und her. Nichts für mich, viel zu naß. So gerne ich mal einen frischen Fisch fressen würde, aber Wasser meide ich wie die Pest. Sollen die Fische doch alt werden bei uns im Teich.

Ich könnte mal hoch zum Mistbeet gehen. Dort halten sich immer einige Mäuse auf. Vielleicht gelingt mir da ja heute der große Schlag. Ich schleiche mich vorsichtig bergauf zum Mistbeet. Oben angekommen blicke ich über den Rand. Weit und breit keine Maus. Schade, wieder nichts. Ich schleiche jetzt an der Mauer entlang die zum Nachbargrundstück führt. Da würde ich gerne mal hochspringen, aber aus Erfahrung weiß ich, daß meine Leine dafür nicht lange genug ist. Trotzdem versuche ich es. Schwupp bin ich oben. Das ging prima, aber wieso hat mich die Leine nicht davon abgehalten. Frauchen muß wohl vergessen haben mich festzumachen.

Ich kann’s kaum glauben, endlich habe ich meine Freiheit. Mein großer Traum wird wahr. Ich gucke vorsichtig nach allen Seiten, ob Frauchen in der Nähe ist und was gemerkt hat. Scheint nicht so zu sein. Alles ist still. Das ist bis jetzt erst einmal passiert, daß ich ohne Leine ganz alleine los konnte. Aber damals hat Herrchen mich ganz schnell wieder gefangen. Ich schaue zurück zum Küchenfenster, ob von Frauchen was zu sehen ist. Nichts zu sehen. Schnell weg. Ich laufe auf der Mauer entlang und bin im Nachbargarten.

Hier wohnt auch ein Hund. Benschy , den kenne ich, ist ein kleiner schwarzer Bello. Also vorsichtig sein. Ich sehe zu, daß ich aus dem Garten weg komme. Schnell unter der Hecke durch bin ich im nächsten Garten. Hier kann ich nur auf dem Bauch vorwärts robben. Alles ist hier dicht zugewachsen. Ich suche eine Weg aus den Büschen raus. Aber dieses Gestrüpp hört und hört nicht auf. Endlich habe ich es geschafft. Vor mir sehe ich ein Haus. Oh nein, das brauche ich auch nicht. Ich laufe weiter und komme auf eine Straße. Die ist genauso schwarz wie die Straße vor unserem Haus aber trotzdem anders viel steiler. Ich bleibe vorsichtig nach allen Seiten um mich schauend auf dem Bürgersteig sitzen. Drüben auf der anderen Straßenseite sehe ich plötzlich den dicken roten Kater der immer durch meinen Garten marschiert. Endlich kann ich es dem mal heimzahlen. Ich stürze mich sofort auf ihn. Der kneift und läuft los, ich hinterher. Wir sausen über Wiesen und an Bäumen vorbei. Plötzlich ist der „Rote“ in einer Hecke verschwunden. Ich bremse und gehe vorsichtig auf die Hecke zu. Ich hebe meine Nase in die Luft und rieche den Feind ganz genau. Langsam schleiche ich vorwärts. Plötzlich vor mir ein roter Blitz. Der „Rote“ kommt wie ein Wilder auf mich zugeschossen und schon sind wir ein Knäuel. Ich fetze ihm ganz Büschel aus dem Fell. Der verbeißt sich in meinem Schwanz. Ich schüttle ihn ab und greife erneut an. Der „Rote“ faucht ganz fürchterlich. Ich bin ganz schön außer Puste. Frauchen hat doch recht, ich sollte abnehmen. Dies ist ein anderer Gegner als Sascha. Der hier meint es Ernst. Ich überlege wie ich flüchten könnte. Doch ganz plötzlich läßt der „Rote“ los und verschwindet sehr schnell in Richtung Wald. Laut fauchend sehe ich ihm nach.

Puuuh, Gott sei Dank, ich zittere am ganzen Körper. Noch mal Glück gehabt. Wahrscheinlich habe ich ihn doch schlimmer verletzt als ich dachte. Ich untersuche meine Wunden. Ein paar Kratzer habe ich auch im Fell. Aber mir tut nichts weh. Jetzt habe ich aber die Nase voll. Nichts wie heim zu Frauchen und an die warme Heizung.

Ich drehe mich im Kreis. Ach Du Schreck, kein Haus zu sehen. Wo bin ich nur. Ich überlege, wie sind wir den vorhin gelaufen. Aus dieser Richtung- , oder aus der anderen, oder von dort unten. Ziemlich ratlos laufe ich über die Wiese. Dort vorne sehe ich wieder eine schwarze Straße aber weit und breit kein Haus in Sicht. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Eklig, ich schüttle mich und laufe die Straße entlang. Irgendwo muß dieser Weg doch hinführen. Es regnet immer mehr und ich bin nun schon klatschnaß.

Weit vor mir sehe ich Menschen. Die bringen mich bestimmt nach Hause denke ich mir. Ich sause los und miaue so laut ich kann. Die Menschen drehen sich um. Es sind kleine Menschen. Ein kleines Mädchen kommt auf mich zugelaufen. Oh wie süß ruft es - ein Siamkätzchen. Oh wie ist der schön. Die anderen beiden kleinen Menschen kommen auch angelaufen. Das Mädchen hebt mich hoch und ich fange sofort an zu schnurren. Du bist ja ganz naß armes Kätzchen, sagt das Mädchen zu mir. Sie steckt mich unter Ihre Jacke. Das gefällt mir gut. Endlich wieder ein trockenes warmes Plätzchen. Die anderen beiden wollen mich auch sehen. Das Mädchen macht seine Jacke auf und ich gucke in die Gesichter von zwei Jungen. Man hat die blaue Augen sage der eine. So eine schöne Katze habe ich noch nie gesehen. Das Mädchen faucht die beiden an, ihr habt ja keine Ahnung, das ist keine Sie, das ist ein Kater.

Ich bin auch schon ganz entrüstet als die beiden ein Mädchen aus mir machen wollen, auch wenn ich nur ein Ex-Kater bin. Das Mädchen scheint Ahnung von uns Katzen zu haben.

Den gebe ich jetzt nicht mehr her, sagt sie, ich werde ihn mit nach Hause nehmen. Das kannst Du nicht, sagt der eine Junge, die Katze hat eine Katzenband an, die gehört bestimmt jemanden und wird jetzt dort vermißt. Das ist mir egal sagt das Mädchen. Ich wollte schon immer eine Katze haben, aber meine Eltern haben mir nie eine erlaubt. Dann kannst Du den Kater auch jetzt nicht mitnehmen, ohne mit Deinen Eltern Ärger zu kriegen meint der andere Junge. Das Mädchen dreht sich um und läuft mit mir unter der Jacke los. Die beiden Jungen hinterher. Bleib stehen Lara rufen sie, Du kriegst schwer Ärger. Wir wollen Dir doch nur helfen, laß die Katze lieber hier.

Als ich das höre klammere ich mich mit meinen Krallen fest an das Mädchen. bloß nicht hier im Regen alleine sitzen bleiben. Dann lieber mit zu dem Mädchen.

Das Mädchen läßt sich nicht beirren und läuft weiter. Kurz darauf bleibt sie stehen und geht ganz langsam weiter. Ich stecke meinen Kopf unter der Jacke heraus und gucke. Die beiden Jungens sind nicht mehr zu sehen. Wir stehen vor einem Haus. Das Mädchen sagt zu mir „ Du mußt jetzt ganz still sein, damit keiner was merkt. Sie schließt die Haustür auf und versucht mich mit der einen Hand zu halten, damit ich nicht unter der Jacke durchrutsche. Im Haus angekommen geht sie mit mir eine Treppe runter, macht eine Tür auf und setzt mich dann auf die Erde. Kalter Beton empfängt mich. Es ist ein dunkler und kalter Raum in dem ich mich nun befinde. Ich bin immer noch nicht ganz trocken und schüttele mich erstmal. Das Mädchen erklärt mir das sie gleich wieder da wäre und ich bitte ruhig sein soll. Sie verschwindet und ich sitze alleine in dem dunklen Raum. Ich drehe eine Runde. Dank meiner Katzenaugen kann ich alles erkennen. An der Wand stehen ein paar Regale. Ich hüpfe auf eines hoch. In dem Regal stehen ein paar Gläser und Kartons. Ich springe zum nächsten Regal, lauter Zeitungen liegen hier. Auch nicht sehr interessant. Ich friere und ich bekomme langsam Hunger. Ich fange an zu schreien. Erst mit einem leisen Miau und mit lautem Miaauuuuw weiter. Fast sofort geht die Tür wieder auf und das Mädchen steht vor mir. So geht das nicht. Meine Eltern merken dann gleich daß Du da bist und die werden dich dann sofort raus schmeißen. Du mußt ganz still sein. Sie hat eine Decke auf dem Arm und legt diese nun auf die Erde. Hier kannst Du dich hinlegen und schlafen Kätzchen sagt Sie zu mir. Ich werde versuchen noch etwas zu fressen für Dich zu finden. Und schon ist sie wieder verschwunden.

Nein, so geht das wirklich nicht. Ich sitze unglücklich zusammengekauert auf der Decke. So eine Scheiße. Das hast Du davon würde Frauchen jetzt sagen.

Jetzt sitze ich hier in dem kalten Raum, habe noch nicht mal ein Fenster wo man raus gucken kann. Kein Sascha mit dem ich mich ein bißchen unterhalten könnte. Keine Fensterbank mit Heizung, wo ich mich jetzt wohlig draufkuscheln könnte, und am schlimmsten, ich habe nichts zu fressen.

Ich fange wieder an zu schreien. Nach kurzer Zeit kommt das Mädchen zurück. Ich streife schnurrend durch ihre Beine. Vielleicht nimmt sie mich dann mit, durch die Tür nach draußen, wo es hell und warm ist. Aber falsch gedacht, ihre ganze Sorge ist, ob ich nicht endlich ruhig sein kann. Sie nimmt mich wieder auf den Arm. Wie heißt Du den fragt sie mich. Egal ich werde Dich Pauli nennen. Oh Gott, ich habe einen so schönen Namen „Akim“ schreie ich ihr ins Ohr. Aber sie versteht mich nicht. Also flüstert sie mir ständig „Pauli“ ins Ohr. Gut das Frauchen das nicht sieht und hört.

Solange wie das Mädchen mich auf dem Arm hat bin ich ruhig. Obwohl mein Magen immer noch knurrt. Sie streichelt mich noch eine Zeitlang weiter, bevor sie mich auf die Decke setzt um wieder durch die Tür zu verschwinden.

Oh Gott, Herrchen und Frauchen, merkt ihr denn nicht wie schlecht es eurem Kimi geht. Könnt ihr mich denn nicht holen. Ich bin am verzweifeln. Irgendwo da draußen ist mein schönes Zuhause, mit Sascha, Frauchen, Herrchen, Omi und sogar Wotan wäre mir jetzt angenehm. Der Sascha wird sich freuen. Der hat jetzt alles ganz alleine. Abends wird der jetzt bei meinem Frauchen auf dem Schoß liegen. Und der wird jetzt auch mein Futter fressen. Und ich liege hier entführt, naß und kalt in einem dunklen Keller und werde wahrscheinlich verhungern müssen.

Sascha hält sich für sehr vornehm. Wahrscheinlich weil er weiß ist. Dabei macht der öfter mal neben das Katzenklo und einen Stammbaum hat er auch nicht. Ich habe einen ziemlich langen Stammbaum aber darauf bilde ich mir nichts ein. Der kann noch nicht mal richtig „Miau“ machen, wenn er den Mund aufmacht kommt immer nur ein Piepsen heraus, fast so wie bei einem Vogel. Meine beiden Menschen machen ein schweres Theater wegen dem. Immer haben die Angst er würde noch mehr abnehmen. Deswegen kriegt der auch immer mehr Futter als ich. Frauchen hebt mich dann hoch und sagt mir „Kimi Du bist doch schon so fett, wenn Du so dünn wie Sascha wärst, würden wir dich auch mehr verhätscheln. Na ja, verhungern muß ich trotzdem nicht. Ich werde ja wirklich fast jeden Tag dicker und Frauchen hat wahrscheinlich recht. Ich sollte etwas mehr auf meine Figur achten. Abnehmen tue ich hierbei bestimmt. Ich habe schon eine Ewigkeit nichts mehr zu fressen gekriegt.

Vor lauter Hunger schreie ich wieder. Diesmal dauert es länger bis jemand kommt. Ich schreie und schreie. Als die Tür aufgeht, steht ein großer Mann vor mir. Fast so groß wie mein Herrchen. Es wird plötzlich ganz hell hier. Was bist Du den für ein Schreihals sagt er, als er mich hochhebt. Ich versteife mich etwas. Er hält mich vor sein Gesicht und guckt mir tief in die Augen. Du bist aber ein ganz schöner dicker, fetter Kerl. Er streichelt mir übers Fell. Plötzlich steht das Mädchen im Raum. Papa bitte, bitte, laß mich den Kater behalten. Der Mann guckt das Mädchen an und sagt: Lara, Du weißt ganz genau, daß die Mama eine Katzenallergie hat und wir hier bei uns im Haus keine Katzen aufnehmen dürfen.

Ich ahne nichts Gutes. Der will mich wieder in den Regen bringen. Ich fange sofort wieder an zu Mauzen. Der soll mich schnellstens nach Hause bringen. Ich will sofort zu meinen Leuten. Der Mann hat mich immer noch auf dem Arm, lange Zeit scheint er nachzudenken. Gut Lara, weil es draußen zu schlimm regnet, darf der Kater heute Nacht bei uns im Keller bleiben, aber Du darfst Deiner Mutter nichts davon erzählen. Die beiden gucken sich verschwörerisch an und nicken sich zu. Der Mann setzt mich wieder auf die Erde. So Du kleiner Kerl, jetzt besorge ich dir etwas zu Fressen und Du bist dafür ganz still, sonst kommt meine Frau und wenn die dich sieht bist Du draußen im Regen.

Das Mädchen streichelt mich und guckt ganz unglücklich. Morgen muß ich dich wieder dahin zurückbringen, wo ich Dich gefunden habe, sagt sie zu mir. Ach du Schreck, das hat mir noch gefehlt. Da ist womöglich der „Rote“ wieder in der Nähe und wartet nur darauf daß er weiter Fetzen aus meinem Fell holen kann. Der Mann kommt mit einer Schüssel zurück. Er stellt sie vor mir. Ich schnuppere, Hhmmmm, Milch. Nicht schlecht, bekomme ich Zuhause nur ganz, ganz selten, weil ich dann immer Durchfall bekomme. Aber das ist mir jetzt egal. Gierig schlecke ich die Milch. Als ich fertig bin gucke ich erwartungsvoll nach mehr. Ich sehe dem Mann direkt in die Augen. Der scheint nämlich der Futterlieferant zu sein. Er seufzt, dreht sich um und ist kurz drauf wieder da. Ich habe mir in der Zwischenzeit fein säuberlich mit den Pfoten den Bart sauber geleckt. Das Mädchen guckt mir entzückt zu. Der Mann wickelt ein Stück Wurst aus dem Papier und wirft es mir in kleinen Bröckchen hin. Oh wie eklig, das würde ich Zuhause nie fressen. Ich wende mich entsetzt ab. Der Mann sagt, was anderes haben wir nicht. Wir sind hier nicht auf Katzen eingerichtet.

Als der Mann verschwunden ist, setzt sich Lara zu mir auf die Decke. Na Pauli, gefällt es Dir hier gut, fragt sie mich. Ich gucke sie entsetzt an, zum einen, weil sie schon wieder Pauli zu mir gesagt hat und zum anderen, weil es hier wirklich alles andere als gemütlich für eine Katze ist. Na ja, vielleicht bin ich wirklich etwas verwöhnt und einer Hauskatze würde es hier unter normalen Umständen auch ganz gut gefallen, aber mir nicht.

Ich schmiege ich an sie und genieße die Wärme. Als sie mich noch eine Zeitlang gestreichelt hat, sagt sie, ich muß jetzt gehen, sonst merkt meine Mutter noch daß im Keller was faul ist und schon ist sie verschwunden.

Ich bin wieder alleine in dem dunklen Keller. Also schreien darf ich auf keinen Fall, sonst muß ich raus in den Regen und wahrscheinlich ist es draußen auch schon dunkel. Das muß nicht sein. Aber ich würde so gern zu meinen beiden Menschen nach Hause. Ich heule leise vor mich hin. So ein Pech, mein erster großer Ausflug muß so böse enden. Wenn ich nur wüßte wie ich Frauchen und Herrchen mitteilen könnte, wo ich bin. Bestimmt suchen die mich schon überall. Frauchen sagt sowieso schon immer zu Herrchen, wenn der Kimi mal abhaut, dann findet der den Weg nicht mehr nach Hause, weil der einfach zu dusselig dazu ist. Ich wasche mich ausgiebig und rolle mich dann auf der Decke zusammen.

Später werde ich wach. Alles ist still. Ich muß mal. Wo werden die den das Katzenklo haben. Ich laufe in dem kleinen viereckigen Raum herum. Nichts. Ich springe auf die Regale und gucke in jeden Karton - auch nichts. Ach du lieber Schreck, was mache ich den jetzt. Ich muß doch mal. Ich schreie wieder aus vollem Hals, kommt schnell ich muß mal. Aber nichts passiert. Ich springe auf das eine Regal. In einem der Kartons sind Kleider. drin, egal, schnell erledige ich mein Geschäft und drücke einen großen Haufen in den Karton, war ja klar, Durchfall. Danach scharre ich die Kleider sorgfältig mit den Pfoten darüber. Jetzt geht es mir etwas besser. Aber ich habe immer noch Hunger, ich schreie wieder wild drauf los. Nichts tut sich. Ich schnuppere an der Fleischwurst. Hhm, bei dem Hunger, wohl oder übel futtere ich zwei der Brocken auf der Erde. So was würde es bei uns auch nicht geben. Ich bekomme immer alles in meinen eigenen Napf und muß nicht vom Boden fressen. Mir wird klar, daß diese Leute nichts von Katzen verstehen. Kein Klo, keine Katzennapf und zum Trinken habe ich auch nur noch ein paar Tropfen von der Milch in der Schüssel.

Was werden die Zuhause jetzt wohl machen. Ob die sich schon eine neue Katze geholt haben. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Hoffentlich ist mein Frauchen mir treu und wartet auf mich bis ich wieder da bin. Als ich daran denke, daß der Sascha jetzt wahrscheinlich in meinem Körbchen liegt, heule ich leise ein bißchen vor mich hin.

Als ich das nächste Mal wach werde, fange ich gleich wieder an zu schreien. Es dauert Ewigkeiten bis jemand kommt. Ich muß schon wieder. Schnell springe ich wieder zu dem Karton und mache ein Bächlein hinein. Oh Gott, riecht das hier übel. Das mag ich gar nicht. Die Tür geht in dem Moment auf als ich aus dem Karton springe. Vor mir steht eine ganz dicke Frau. Die Frau schreit sofort los als sie mich sieht. Ich schreie auch sofort los, als ich die Frau sehe. Sie läuft zur Tür hinaus, ich hinterher. Sie jagt schreiend durch den Flur und ruft immer Wolfgang, Wolfgang, Hilfe eine Katze ist im Haus. Sie saust die Treppe hoch, ich auch. Oben angekommen muß sie erstmal verschnaufen. Ich nutzte die Gelegenheit, um ihr um die Beine zu streichen. Oh, ruft sie, Hilfe ich sterbe. Plötzlich steht der Mann vor

uns. Er nimmt mich auf den Arm und trägt mich wieder die Treppe runter. Das hast Du jetzt davon Dicker, sagt er zu mir. Jetzt mußt Du raus. Er macht die Haustür auf und schwupp sitze ich vor der Tür. Ehe ich mich umdrehen kann ist die Tür wieder zu. Keine Chance. Ich schreie und schreie wieder los. Aber die Tür bleibt zu.

Zitternd sitze ich vor der Tür. Schadenfroh denke ich an das Gesicht von der Dicken, wenn die mein neues Katzenklo entdeckt.

Ich marschiere los. Wenigstens regnet es nicht aber es ist saukalt und außerdem noch stockdunkel. Wo soll ich jetzt hin. Ich laufe durch die Gärten. Ab und zu fliegt ein Vogel vor mir weg. Aber im Moment sind die vor mir sicher, ich habe jetzt andere Sorgen, als Vögel zu jagen. Die Büsche sind noch ziemlich naß und immer wenn ich an einen Ast komme, gießt es auf mich runter. Ich schüttle mich. Ach, was hat der Sascha es so gut. Der liegt jetzt schön mollig in seinem oder in meinem Körbchen. Gleich wird Frauchen aufstehen und dann kann er mit Frauchen und Herrchen frühstücken. Und ich laufe hier draußen herum und weiß nicht wo ich hin soll. Die Welt ist so ungerecht zu mir.

Ich höre eine Menschenstimme. Langsam schleiche ich mich durchs Gebüsch näher. Huch, ich bleibe wie angewurzelt stehen. Direkt vor meiner Nase ein großes schwarzes Ungeheuer. Fast so groß wie Wotan und auch ganz schwarz. Ich rieche seinen üblen Atem. Oh Gott, ich versuche nicht zu atmen, damit er mich nicht bemerkt. Hinter ihm sehe ich einen Mann stehen. Er spricht beruhigend auf den Hund ein. Sei ein lieber Hund Franco und mach schnell ein Häufchen, dann können wir wieder ins Haus gehen.

Mit einem Ruck springt der Hund plötzlich auf mich zu. Huch, ich nichts wie rum und weg. Der Hund immer hinter mir her. Der Mann hängt an der Leine und ruft immer Franco, steh, Franco steh. Aber der Hund hört nicht auf ihn. Ich bin wohl viel interessanter. Was der wohl mit mir macht, wenn der mich hat. Lieber nicht dran denken. Lieber schneller laufen. Ich sehe einen Baum vor mir. Noch nie bin ich auf einen richtigen Baum geklettert, immer nur zu Hause auf meinen Katzenbaum. Aber ich habe keine Zeit mehr zum überlegen. Wie ein Wiesel sause ich den Baumstamm hoch. Ich klettere von Ast zu Ast und erst als ich sicher bin, daß das Ungeheuer mir nicht mehr folgen kann. drehe ich mich vorsichtig um.

Ach, du lieber Schreck, ist das hoch hier. Der Ast auf dem ich sitze, wackelt hin und zurück und hoch und runter. Ich kralle mich so fest ich kann mit meinen Krallen in den Ast Der Hund ist längst nicht mehr zu sehen. Sein Herrchen auch nicht. Ich komme aber auch von einem Übel ins Nächste.

Ich habe schreckliche Angst. Was soll ich tun. Wenn ich mit einer Pfote loslasse, falle ich wahrscheinlich sofort runter. Ich traue mich nicht. und bleibe erst einmal eine Zeitlang so hängen. Aber irgend etwas muß ich tun. Ich traue mich auch nicht zu schreien, nachher hört mich der Hund und kommt wieder. Langsam aber sicher lassen meine Kräfte nach. Mir tun alle Knochen weh. Gestern erst der Kampf mit dem „Roten“, von dem ich mich noch nicht so ganz erholt habe und jetzt soll ich mich zu Tode stürzen, wo ich sowieso schon halb ausgehungert bin.

Meine linke Vorderpfote gibt zuerst nach. Ich rutsche ein Stück nach unten. Mittlerweile ist es hell geworden. Als ich falle sehe ich blauen Himmel über mir. Ich denke mir, daß ist also das letzte was Du siehst.

Ich schlage die Augen auf und sehe wieder blauen Himmel über mir. Ich liege weich. Anscheinend bin ich in eine Hecke gefallen. Es sticht zwar überall ein bißchen. Ich versuche aufzustehen und prüfe jeden Muskel einzeln. Alles tut etwas weh, aber ich kann wenigstens laufen. Wobei ich nicht weiß, wer mehr Schaden angerichtet hat, der „Rote“ oder der Baum. Ich schüttele mich kräftig und springe vorsichtig von der Hecke. Ich lande auf einer Wiese. Fast wie zu Hause, denke ich. Ach wäre das doch nur meine Wiese und ich müßte nur über die Terrasse gehen und wäre wieder in Sicherheit in meiner Wohnung.

Hier ist auch ein Haus, aber nicht unseres. Ich laufe vorsichtig um das Haus herum. Nicht das ich wieder so einer Bestie ins Maul laufe. Neben dem Haus ist eine Garage. Das weiß ich weil wir auch so eine haben, wo Frauchens Auto drin steht. Und wie bei unserer Garage, ist auch hier das Tor offen. Zwar nicht sehr komfortabel, aber wenigstens bieten sich hier ein paar Versteckmöglichkeiten. Schade, die Fenster von dem Auto sind zu. Sonst hätte ich mich dort drin etwas ausruhen können. Hinten an der Wand stehen Kisten mit allem möglichem Gerümpel drin. Ich find auch eine Kiste mit einer Decke und beschließe mich erst einmal dort auszuruhen.

Während ich mich ausgiebigst wasche und meine Wunden lecke, denke ich nach. Ich brauche einen Plan. Ein Plan ist jetzt das wichtigste. Wie könnte ich unser Haus finden, ohne daß ich wieder in irgendeinem Keller lande, oder von einer Bestie auf Bäume gejagt werde. Unser Haus muß doch hier irgendwo in der Nähe sein. Soweit bin ich mit dem „Roten“ nicht gelaufen. Und das kleine Mädchen ist meiner Ansicht nach wieder in Richtung von unserem Haus gelaufen. Auch wenn ich nichts sehen konnte, weil ich unter der Jacke war, sagt mir das mein Instinkt. Aber auf den ist sowieso kein Verlaß.

Ich liege ziemlich lange dort und grübele vor mich hin, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Als ich nach vorne zum Garagentor blicke, sehe ich dort ein kleines getigertes Kätzchen sitzen. Das Kätzchen wäscht sich ganz gemächlich. Sie hat mich noch nicht gesehen. Ich denke an den Kampf mit dem „Roten“ und warte erst mal ab. Nachdem ich sie eine Weile beobachtet habe, komm ich zu dem Ergebnis, daß mir von dem Kätzchen keine Gefahr droht. Mutig stehe ich auf. Leise vor mich hin miauend mache ich das Kätzchen auf mich aufmerksam. Sie dreht sich erschrocken um. Huch, wer bist Du den, sagt Sie mit ganz hoher Stimme. Ich heiße Akim, und bin gestern von zu Hause weggelaufen und jetzt finde ich den Weg nicht mehr zurück. Sie macht einen Satz zur Seite und guckt mich aus ihren schräg stehenden Augen an. Ich bin von ihrer Schönheit begeistert. Sie ist so zart, fast wie Lulu.

Sie begutachtet mich leise fauchend von allen Seiten. Als sich mich einmal umrundet, und dabei ausgiebig beschnüffelt hat, scheint sie zu dem Schluß gekommen zu sein, daß ihr von mir keine Gefahr droht. Wahrscheinlich hat sie auch gesehen, wie fix und fertig ich bin. Was bist Du den für eine Sorte, weil Du so blaue Augen hast, fragt Sie mich. Ich bin ein Siam und alle Siams haben so blaue Augen hat mir mein Frauchen gesagt.

Und ich denke daran, wie es ist, wenn mein Frauchen mit mir schmust, und wie sie mir dann zärtlich „Blauauge“ ins Ohr flüstert.

Mich rufen die Menschen nur Mieze, verrät sie mir und ich habe auch ein zu Hause. Aber immer wenn ich will, darf ich raus. Meisten drehe ich morgens eine Runde und abends noch mal. Aber seid dem ich älter bin, sind meine Runden auch etwa kürzer geworden

Ich kenne alle Häuser hier, sagt sie zu mir. Aber Dich habe ich noch nie gesehen. Erzähle mir von Deinem zu Hause, vielleicht, weiß ich ja dann wo Du wohnst und kann Dich hinbringen.

Wir setzen uns hinten an die Wand in den Karton auf die Decke und ich fange an zu erzählen:

Eigentlich habe ich ein gutes Katzenleben. Ich habe ein Frauchen, daß mich vergöttert, ein Herrchen, der es nicht schafft mich mal zu bestrafen wenn ich mal wieder was angestellt habe und eine Omi die mit mir schmust, wann immer ich es will.

Die meiste Zeit des Tages liege ich faul in meinem Körbchen oder versuche mit meinem Bruder Sascha zu spielen. Sascha ist nicht mein richtiger Bruder. Er ist ganz weiß und hat ein langes Fell. Er hat auch sonst wenig Ähnlichkeit mit mir. Ich bin eher etwas rundlich geraten und mein dicker Bauch ist mir manchmal ganz schön hinderlich, beispielsweise beim waschen, dann muß ich mich immer gegen etwas lehnen, damit ich dabei nicht umfalle. Aber den Sascha kann schon der kleinste Windstoß umfegen, so dünn ist der. Sascha ist auch schon ziemlich alt und deswegen hat er keine große Lust mehr mit mir zu toben.

Der Höhepunkt des Tages kommt dann immer am späten Nachmittag, wenn Frauchen und Herrchen nach Hause kommen. Ich sitze dann schon im Eßzimmer auf dem Tisch und schreie bereits wenn Frauchen zur Haustür rein kommt. Ist sie dann endlich in der Wohnung, werde ich sofort auf den Arm genommen und kriege ein Küßchen. Ich freue mich immer wenn Sie dann Einkäufe mit nach Hause bringt. Alles in diesem großen Einkaufskorb weckt meine Neugierde. Sie kauft meistens Sachen ein die so gut riechen, daß einem das Wasser im Maul zusammenläuft. Manchmal war sie auch im Tiergeschäft und hat mir etwas mitgebracht. Es gibt so süße Leckerbissen, die sehen aus wie kleine Mäuse. Von denen kann ich nicht genug kriegen. Aber leider bekomme ich immer nur eine davon.

Unser Haus ist ziemlich groß, aber Sascha und mir gehört nur die obere Etage. Unten in der Wohnung wohnen Wotan und meine Omi. Wotan hätten wir wirklich nicht gebraucht. Dieses große schwarze Vieh mit seinem lautem Gebell erschreckt mich noch mal zu Tode. Manchmal, wenn ich besonders mutig bin, gehe ich die Treppe runter bis zur Korridortür. Dann kann ich durch die Glasscheibe hindurch sein schreckliches Gesicht sehen. Ich höre sein gefräßiges Atmen durch die Tür und sehe wie er sich schon lüstern mit der Zunge über die Leftzen streicht. Meistens bellt er sofort los, wenn der nur einen kleinen Zipfel von mir sieht. Ich sitze dann mit Gänsehaut hinter der Tür und versuche noch etwas zu warten, bevor ich ganz schnell wieder die Treppe hoch sause. Der würde mich und Sascha mit Sicherheit fürchterlich gerne fressen.

Das ist aber leider auch die einzige Aufregung in meinem Katzenleben. Ich will mich ja nicht beschweren, wie gesagt, eigentlich geht es mir sehr gut. Aber manchmal würde ich doch gerne ein paar Abenteuer erleben. Nur halt eben halb so aufregend wie die, die ich in den letzten Stunden hatte. Ich erzähle ihr auch noch meine Erlebnisse der letzten Stunden. Als ich ihr von meinem gestrigen Kampf mit dem „Roten“ erzähle ist sie sehr beeindruckt. Sie sagt, da hast Du aber viel Glück gehabt. Ich kannte nur einen Kater der wurde mir dem fertig.

Ich erzähle weiter: Wenn sehr schönes Wetter ist, dann dürfen wir an der Leine in den Garten. Wir haben jeder unseren Platz auf der Wiese. Dort haben wir auch einen Teich. Darin schwimm Fische. Dort ist meistens was los. An dem Teich, sind immer viele Fliegen, Käfer und vor allen Dingen Schmetterlinge. Da kann ich dann wenigstens ein bißchen jagen. Manchmal erwische ich einen Schmetterling und spiele solange mit ihm, bis er mir wieder abhaut. Frauchen schimpft dann mit mir, weil der Schmetterling, jetzt keine Chance mehr hat und wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird.

Früher waren wir zu dritt. Außer Sascha gab es noch Lulu. Als ich zu Frauchen und Herrchen kam, war Lulu auch schon ganz alt. Aber sie sei schon immer grau gewesen, hat sie mir erzählt Sie hatte auch ein langes Fell wie Sascha und war genauso dünn, nur war sie noch viel kleiner als Sascha. Ich mochte Lulu sofort als ich sie das erstemal gesehen habe. Sie hat mich gleich gewaschen und ich durfte nachts immer bei ihr im Körbchen liegen. Aber Lulu konnte zum Schluß nichts mehr sehen und taub war sie auch. Im letzten Jahr haben Frauchen und Herrchen sie dann im Körbchen mitgenommen und sind ohne sie zurückgekommen. Ich habe schrecklich getrauert. Sie war für mich wie eine Mutter. Jeden Abend habe ich geheult und mich auf den Platz gelegt wo sie immer gelegen hat um ihren Geruch zu riechen. Auch heute vermisse ich sie noch manchmal. Besonders dann wenn Sascha wieder so eklig zu mir war. Er kann ein ganz schöner Muffel sein. Noch nicht mal nachlaufen darf man mit ihm spielen, schon ist er sauer und fegt mir eine mit der Kralle. Mittlerweile bin ich ja viel stärker als er und wenn ich dann wütend bin, dann fliegen schon mal die Fetzen, beziehungsweise das weiße Fell von Sascha durch die Wohnung. Frauchen kriegt dann immer einen Wutanfall, wenn sie nach Hause kommt.

Lulu hatte auch ihren festen Platz im Garten. Jetzt ist dieser Platz von Sascha besetzt. Das ärgert mich ganz gewaltig. Warum darf der jetzt auf Lulus Platz sitzen. Eigentlich würde das mir zustehen. denn Lulu mochte Sascha überhaupt nicht. Der hätte sich nie zu ihr ins Körbchen legen dürfen und gewaschen hätte sie den schon überhaupt nicht. Ich habe jetzt Saschas Platz im Garten. Von hier aus kann ich wenigstens, wenn es anfängt zu regnen zur Terrasse laufen. Dort ist es dann trocken. Aber normalerweise passen meine Leute immer auf und wenn die ersten Tropfen fallen, sind wir meistens schon wieder drin.

Ach ja, und manchmal sehe ich noch mehr von der Welt, nämlich immer dann, wenn ich zum impfen muß. Das ist toll, dann darf ich in Herrchens Auto mitfahren und Frauchen hat mich auf dem Schoß. Ich sitze dann so, daß ich alles sehen kann. Ich fahre gern schnell. Ich finde es faszinierend die Landschaft draußen vorüberfliegen zu sehen. Auch im Wartezimmer von dem Tierarzt ist es immer schwer aufregend. Meistens sind dort viele Hunde und auch ein paar Katzen. Die haben es aber schlechter als ich. Die sitzen nämlich in einem Korb aber ich darf auf Frauchens oder Herrchens Schoß sitzen und kann alles gut beobachten. Manchmal schnüffelt auch ein Hund an mir herum. Aber wenn meine beiden bei mir sind, habe ich keine Angst. Wenn die Hunde mir zu nahe kommen. fahre ich einmal kurz meine Krallen aus und fauche mal und schon machen die einen Bogen um mich. Wenn ich dann endlich ins Sprechzimmer darf, kommt der Dr. Kanter auf mich zu. Frauchen hält mich dann auf dem Arm. Während der Doktor mich grault gibt er mir eine Spritze. Frauchen sagt das wäre eine Impfung, damit ich nicht krank werde. Die Spritze merke ich nie. Deswegen verstehe ich auch nicht warum der Sascha immer so eine Angst hat, zum Tierarzt mitgenommen zu werden. Ich gehe da schrecklich gerne hin. Weil da auch immer was los ist. Als wir das letzte Mal dort waren, habe ich ein neues Tier kennengelernt, einen Hasen. So ein dummes Tier habe ich noch nie gesehen. Kann weder Miau machen (das kann Sascha allerdings auch nicht), weder kann er bellen, noch kratzen oder beißen. Der sitzt immer nur in seiner Kiste herum und guckt dumm aus der Wäsche. Gut das wir so nicht auch noch einen Zuhause haben. Wotan und Sascha schicken mir vollkommen.

Und dann ist da noch unsere Omi, die wohnt wie gesagt bei Wotan in der Wohnung unter uns. Sie ist sehr lieb zu uns und versorgt uns immer wenn Frauchen und Herrchen in Urlaub fahren. Allerdings ärgert sie mich gerne, und immer wenn ich mich gerade frisch gewaschen habe, kommt sie an und will mit mir knutschen, dabei weiß sie ganz genau, daß ich nicht nach Mensch riechen will, wenn ich frisch gewaschen bin. Aber ansonsten ist sie ganz in Ordnung.

So jetzt weiß Du alles, über meine Familie.

Mieze, guckt sehr nachdenklich. Jetzt werde ich Dir einmal eine Geschichte erzählen, sagt sie:

Ich hatte vor lange Zeit mal einen Freund. Er war ein schwarzer Kater und wir haben uns jeden Abend bei unserem Abendspaziergang getroffen. Er hieß Blacky. Blacky war der schönste Kater den ich je gesehen habe und so mutig und so intelligent. Blacky hat den „“Roten“ mal so verdroschen, daß der drei Tage nicht mehr laufen konnte. Blacky hat mir mal das Leben gerettet. Bei einem meiner Rundgänge als junge Katze, bin ich mal in einen Schuppen geraten. Als ich dort neugierig am rumschnüffeln war, geht die Tür hinter mir zu. Ich war eingesperrt, vor lauter Verzweiflung, habe ich so laut ich konnte geschrieen, in der Hoffnung, daß mich Menschen hören, die mich dann wieder rauslassen würden. Aber plötzlich hörte ich vor der Tür eine tiefe Katzenstimme. Die Stimme fragte mich, was ist los, warum heulst Du so. Ich sagte, ich bin hier drinnen eingesperrt und kann nicht mehr raus. Plötzlich hörte ich einen Plums und die Tür ging auf und vor mir stand der schönste Kater den ich je gesehen hatte. Er war ganz schlank und pechschwarz. Sein Fell glänzte wie Lack. Hi, ich heiß Blacky, sagte er ganz gelassen zu mir.

Und so sind wir beide Freunde geworden. Wir haben uns fast jeden Tag getroffen und haben viel gemeinsam unternommen. Ich vermisse Blacky heute noch. Aber plötzlich ist er nicht mehr gekommen.

Ich sehe den Schmerz in Ihren Augen als sie von Ihrem Freund erzählt, aber was hat das mit mir zu tun?

Sie sagt, nachdem sie zweimal tapfer geschluckt hatte, Blacky hatte auch so ein Frauchen und ein Herrchen. Er hatte auch eine Omi und einen Hund, aber der Hund hieß Benny. Der Hund und Blacky waren auch dicke Freunde. Blacky war oft unten in der Wohnung bei der Omi und dem Benny. Aber was mich ganz sicher macht, daß es sich um Deine Leute handelt, ist die Tatsache, daß Blacky auch eine Lulu und einen Sascha hatte. Und dieser Sascha war weiß. Blacky mochte ihn auch nicht. Aber Lulu mochte er sehr. Sie war wie eine Schwester für ihn. Lulu war so alt wie Blacky.

Blacky hatte eine ganz besondere Beziehung zu seinem Frauchen. Beneidenswert wie die beiden sich verstanden haben, sie waren  telepatisch miteinander verbunden. Ich habe es einmal erlebt, als wir auf eine Wiese gerade hinter einer Maus herwaren, daß der Blacky plötzlich stehen blieb und zu mir sagte, ich muß sofort nach Hause. Ich fragte ihn, woher weißt Du das. Und er sagte, weil mein Frauchen will, daß ich jetzt nach Hause komme. Ich weiß immer wenn mein Frauchen an mich denkt und damit sie sich keine Sorgen macht muß ich jetzt sofort los. Ich war total erstaunt über diese Antwort und guckte ihm noch lange hinterher.

Ach ja, seufzte sie, Blacky war nicht nur der schönste sondern auch der intelligenteste Kater. Er konnte sich alle Türen aufmachen und wenn er Durst hatte, konnte er, wie die Menschen auch, den Wasserhahn aufdrehen und konnte so immer frisches Wasser trinken.

Als Blacky nicht mehr kam, bin ich oft zu seinem Haus hin und habe draußen im Garten auf ihn gewartet. Aber ich habe meistens nur den „Weißen“ hinter der Fensterscheibe gesehen. Deswegen weiß ich genau wo Du wohnst. Du hast also Glück gehabt, das Du mich getroffen hast. Und da Du anscheinend der Nachfolger von Blacky geworden bist, will ich Dir helfen.

Ich bin außer mir vor Freude. Gott sei Dank. Ich komme wieder zurück nach Hause.

Aber bevor ich Dich dahin bringe, mußt Du mir noch alles erzählen, was Du von meinem Blacky weißt.

Ich denke nach, wie war das noch, ich bin jetzt auch schon viele Jahre bei meinen Mensch. Als ich kam war ich noch ein ganz kleiner Kater. Aber da gab es schon keinen Blacky mehr.

Stimmt Frauchen hat mir immer von ihrem schönen und klugen Blacky erzählt. Frauchens Stimme wird auch immer ganz traurig wenn sie von ihm spricht. Blacky ist im Herbst bevor ich gekommen bin gestorben. Woran er gestorben ist, weiß ich leider auch nicht. Frauchen glaubt bis heute immer noch, daß er vergiftet wurde. Aber Frauchen erzählt mir noch sehr oft von ihm. Blacky durfte, weil er so klug war, jeden Tag am Abend einmal raus. Und Benny kenne ich auch noch. Der war im Gegensatz zu Wotan sehr gutmütig. Benny ist ein Jahr nach dem ich gekommen bin gestorben. Frauchen, Herrchen und Omi waren damals sehr traurig. Deswegen haben die sich ja dann auch gleich den Wotan geholt. Von mir aus hätten wir keinen neuen Hund gebraucht. Dann hätte ich wenigstens das ganze Haus gehabt. Aber wenn ich wieder nach Hause darf. will ich mich auch mit dem Wotan abfinden. Ich muß ja nicht die Treppe runter gehen um ihm über den Weg zu laufen.

Sie weint ein bißchen, als Sie endgültig erfährt, daß der Blacky nicht mehr lebt. Ich hatte immer noch die Hoffnung, daß er nicht mehr raus darf, weil er so alt war, aber irgendwie habe ich schon gewußt das er nicht mehr da ist, schluchzt sie. Ich weiß, sage ich zur ihr, ich kenne das Gefühl, als Lulu nicht mehr da war, war ich auch sehr traurig. Wir weinen beide ein bißchen. Sie um Blacky und ich um Lulu.

Als wir uns wieder etwas beruhigt haben, sagt Sie: So, ich bringe Dich jetzt nach Hause. Sie hätte mir nichts Schöneres erzählen können.

Flink wie ein Wiesel laufe ich voraus. Aber Mieze muß auch schon etwas älter sein. Sie sagt, gehe nicht so schnell, ich bin auch schon ewig nicht mehr so weit von meinem Haus weg gewesen. Deswegen muß ich meine Kräfte einteilen. Mieze vorweg, schleichen wir durch viele Gärten hindurch. Gut das die Mieze bei mir ist. Sie kennt jedes Haus und weiß genau wo man auf einen Hund treffen könnte.

Sie zeigt mir in einem der Gärten so ein komisches Ding und sagt, nimm Dich in acht, böse Menschen stellen sogar Katzenfallen auf. Wenn die zuschnappt, dann bist Du tot. Oh Gott, was gibt es hier draußen nicht alles zu beachten. Kein Wunder daß Frauchen immer so eine Angst um mich hat.

Wir müssen noch ein paarmal die Straße überqueren und nach ewigen Zeiten nehme ich Gerüche war, die mir bekannt vorkommen. Ich bleibe stehen und recke meine Nase in die Luft. Hhmm, das riecht hier schon fast wie in unserem Garten. Ja, ja gleich bist Du da, brummt Mieze vor sich hin. Als wir in unserem Garten angekommen sind, sehe ich daß die Terrassentür weit offen steht.

Mieze sagt, so Akim ich verabschiede mich jetzt von Dir. Du kommst ja jetzt alleine klar und ich will nicht unbedingt auf Wotan treffen. Außerdem habe ich ja noch einen ziemlich weiten Heimweg vor mir. Und bevor ich mich bei ihr bedanken kann, ist sie im Gebüsch verschwunden.

Ich setze mich erstmal an den Teich. Ich überlege, wird Frauchen sehr böse mit mir sein. Ein bißchen Ärger werde ich wohl kriegen. Langsam schleiche ich auf die Terrassentür zu. In der Wohnung angekommen stelle ich fest, kein Mensch zu sehen. Auch Sascha ist verschwunden. Oh Gott, sind die jetzt alle weg und haben mich nicht mitgenommen. Ich setze mich auf den Eßzimmertisch und schreie so laut ich kann. Nichts rührt sich. Langsam gehe ich über den Flur die Treppe runter. Vor der Korridortür zur Omi fange ich wieder an zu schreien. Aber auch keine Omi, noch nicht mal Wotan erscheinen. Das ist mir unheimlich. Ich gehe wieder hoch und gucke erstmal ob es was zu fressen gibt. Ja, mein Lieblingsfressen steht in der Küche. Ich schlage mir gewaltig den Bauch voll. Gut, keiner da, also wasche ich mich und lege mich erstmal in mein Körbchen. Nach diesen ganzen Abenteuern bin ich sehr müde.


Ich werde wach, weil ich Frauchen schluchzen höre. Nein Maus, (Maus sagt sie immer zu Herrchen) er kommt nicht mehr wieder. Wir haben die ganze Gegend schon zigmal abgesucht. Sogar Wotan hat die ganze Nacht mitgesucht. Wir haben doch auch schon alle Tierheime angerufen. Wahrscheinlich ist der Kimi überfahren worden.

Na ja, denke ich, daß ist Gott sei Dank eines der Übel die mir nicht zugestoßen sind. Aber ansonsten schon einiges andere. Aber das muß Frauchen ja nicht wissen.

Frauchen schluchzt wieder. Herrchen sagt, bestimmt ruft im Laufe des Tages eines der Tierheime an die wir alarmiert haben und sagt daß unser kleiner Dicker dort abgegeben wurde. Ich schleiche mich an. Beide sitzen im Wohnzimmer und Herrchen hält Frauchen fest im Arm.

Mit einem Satz springe ich laut schnurrend Frauchen auf den Schoß. Sie fällt fast in Ohnmacht. Sie drückt mich so fest an sich, daß ich glaube zu ersticken. Oh, mein Kimi, da bist Du ja. Ich habe schon geglaubt ich sehe Dich nie mehr. Wo kommst Du den jetzt her. Wir haben Dich die ganze Nacht gesucht. Gut, daß wir die Terrassentür aufgelassen haben, da bist Du bestimmt jetzt reingekommen. Sogar der Sascha mußte im Schlafzimmer eingesperrt werden, damit Du eine offene Tür hast, wenn Du nach Hause kommst. Du kluger, kleiner, dicker Kater. Dann hast Du also doch wieder alleine nach Hause gefunden und ich habe immer gedacht Du wärest so dumm, daß Du nie mehr den Weg nach Hause finden würdest

Oh Gott, beschämt gucke ich unter mich. Frauchen wenn Du wüßtest. Ich habe den Weg nicht alleine nach Hause gefunden. Das ich wieder da bin, daß hast Du nur Deinen Blacky zu verdanken. Im Stillen gelobe ich dem Blacky, daß ich versuchen werde zukünftig ein besserer Nachfolger für ihn zu sein

Ich rolle mich auf Frauchens Schoß zusammen. Kuschle mich dicht an sie und mache meine müden Augen zu. Endlich in Sicherheit. Hier kann mir jetzt wirklich nichts

Ich werde wach, als Frauchen aufsteht. Hallo Kimi, Du alter Langschläfer, Du hast aber ganz schlimm geträumt, ständig hast Du gezuckt und im Traum geschrieen.

Geträumt ?? Ich schüttle mich. Mit der Pfote suche ich nach meiner Wunde am Kopf, die von dem Kampf mit dem Roten noch da sein müßte. Nichts mehr festzustellen. Ich sitze ganz benommen da und überlege. Sascha, ja Sascha wird mir sagen können, ob ich geträumt habe oder nicht. Ich mach mich auf die Suche nach Sascha........