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Sommerhaus
   
 
 

 
 


Copyright by Birgit Mulflur

Dies ist ein Auschnitt aus dem Buch Sommerhaus unseres Dobermannes Wotan

Sommerhaus

Ich liege in der Sonne und beobachte einen Käfer der langsam den Grashalm vor mir hochklettert. Der Wind kitzelt mich an der Nase. Der Käfer ist jetzt oben auf dem Grashalm angekommen. Ich schaue ihm noch eine Weile zu, bevor ich zuschnappe. Schnell schlucke ich ihn herunter. Ich lege meinen Kopf wieder auf die Pfoten und schließe die Augen. Ich genieße die warme Sonne auf meinem Fell. Manchmal streicht der Wind sacht über mich, das ist so, als wenn ich gestreichelt würde. Alles ist ganz still. Weit entfernt ist manchmal das Bellen eines anderen Hundes zu hören. In der Ferne höre ich die Brandung des Meeres rauschen.

Heute Abend gehen wir bestimmt wieder an den Strand, so wie heute Morgen. Kilometerlang laufen wir dann durch den weichen Sand. Selten treffen wir auf Menschen oder Hunde. Meistens sind wir ganz alleine. Nur Wasser, Sand und wir, das mag ich. Das Schönste aber an den Strandspaziergängen ist, daß wir stundenlang toben können. Ich springe Frauchen an und manchmal gelingt es mir sie umzuwerfen, oder ich stöbere im Sand herum und finde alle möglichen Dinge.

Ich gähne und schaue zu meinen Leuten hin. Karin und Rudi liegen im Liegestuhl, Frauchen und Herrchen sitzen am Tisch auf der Terrasse. Herrchen liest jetzt schon ewige Zeiten an der Zeitung und Frauchen schreibt Karten. Die Terrassentür unseres Ferienhauses steht weit offen und Kaffeeduft ist für meine empfindliche Nase deutlich wahrzunehmen. Ich schließe wieder die Augen und träume vor mich hin. Heute Morgen hatte ich den Versuch unternommen ohne Frauchen und Herrchen die Gegend um unseren Urlaubsort zu erkunden, aber Herrchen hatte es gleich gemerkt und mich schnell wieder eingefangen - leider. Dabei könnte garnicht viel passieren, wo hier doch kaum Leute wohnen. Ich könnte niemanden erschrecken und andere Hunde würde ich wahrscheinlich auch nicht treffen. Autos gibt es hier auch kaum. Bei nächste Gelegenheit werde ich wieder einen Versuch unternehmen.

Frauchen ist jetzt aufgestanden um mir mein Abendessen zu machen. Dabei habe ich keinen Hunger. Hier in Dänemark bin ich meistens viel zu faul zum Fressen. Ich tue so als würde mich das was in dem Napf ist ungemein interessieren und fresse auch ein paar Brocken Hundewurst, damit ich Ruhe habe vor den beiden. Die geben vorher keine Ruhe, bis ich was gefressen habe.

Gestern Abend am Strand, daß war schon ziemlich komisch. Herrchen hat mir Stöckchen geworfen, mein Lieblingsspiel. Als ich das Stöckchen suche, sehe ich auf einmal eine Menschenhand im Sand. Ich bin sofort stehengeblieben und habe, wie immer wenn ich was tolles im Sand gefunden habe, angefangen zu graben. Je mehr ich gegraben habe, um so mehr Mensch kam zum Vorschein. Als Frauchen und Herrchen endlich bei mir angekommen sind, liegt schon ein halber Mensch vor mir. Ich stupse ihn mit der Nase an, aber der bewegt sich nicht. Frauchen zieht mich weg. Ich verstehe das nicht, ein Mensch der sich gar nicht bewegt, obwohl ein Dobermann vor ihm steht. Das ist mir auch noch nicht passiert. Ich lege mich in den Sand und beobachte Herrchen, der den Menschen untersucht. Herrchen kommt kurz danach zu uns und sagt zu Frauchen: Der ist mausetot, wir müssen das der Polizei melden, bleibt Ihr mit Wotan hier und ich hole die Polizei. Karin und Rudi sind mittlerweile auch bei uns angekommen. Sie bleiben mit ganz entsetzten Gesichtern bei uns stehen. Ich freue mich über meinen Fund und will gelobt werden.

Ich robbe auf dem Bauch etwas näher zu dem sonderbaren Ding hin. Der Mensch sieht wirklich ziemlich schlecht aus. Scheint ein Herrchen zu sein. Er hat die Augen weit auf und sieht mir direkt ins Gesicht. Seine Lippen sind ganz blau und auch sonst ist er ganz blau im Gesicht. Um seinen Hals hat er ein Seil, oder eine Leine. Vielleicht mußte man diesen Mensch auch immer an der Leine führen. Aber wahrscheinlich nicht, ich kenne keine Menschen die an der Leine geführt werden.

Karin sagt, daß sie gar nicht hinsehen kann und Frauchen mich doch bitte von der Leiche wegziehen soll. Wir sind jetzt ein ganzes Stück entfernt von dem Menschen aber ich kann immer noch seine Augen sehen. Karin ist ganz aufgeregt und ich glaube ihr wird gleich schlecht. Ich lecke ihr tröstend über die Hand.

Als Herrchen zurückkommt, sind zwei Männer bei ihm. Ich sitze neben Frauchen und beobachte mit schiefem gelegtem Kopf, wie Herrchen mit den Männern spricht. Der eine hält eine Mütze in der Hand. Er hat ein ganz pickeliges Gesicht und rote Haare. Der andere ist ziemlich dick und scheint stark zu schwitzen. Trotz des Windes, laufen ihm Schweißtropfen über das ganze Gesicht. Die Mütze in der Hand des jüngeren hätte ich gerne. Ich warte einen günstigen Moment ab und springe los. Frauchen läßt vor Schreck meine Leine in den Sand fallen. Ich schnappe mir die Mütze aus der Hand des Mannes und laufe los. Die Menschen schreien hinter mir her. Ich werfe die Mütze in die Luft und fange sie im laufen wieder auf . Das sind Kunststücke, da können die Menschen vor Neid blaß werden. Aber leider hat das Spiel schnell ein Ende. Herrchen hat mich plötzlich am Halsband und nimmt mir die Mütze wieder ab. Schade, ich muß wieder neben Frauchen im Sand sitzen. Die Männer reden noch solange mit Herrchen, bis ein Auto kommt, jetzt steigen noch zwei Männer aus. Sie laufen um meinen Fund herum und sperren alles mit einem rotweißen Band ab. Herrchen sagt zu uns, kommt wir machen uns hier weg, wir können hier sowieso nichts mehr helfen.

In unserem Ferienhaus angekommen, sind meine Menschen immer noch sehr aufgeregt über meinen Fund. Eine Leiche ist ein toter Mensch und bei toten Menschen muß anscheinend die Polizei kommen. Herrchen, Frauchen und Pflugs überlegen, warum der Mann wohl umgebracht wurde. Ein Mord also, so was kenne ich aus dem Fernsehen. Wenn Omi ihre Lieblingssendung im Fernseher sieht, diesen blöden Rex der immer alle Morde aufklärt, als wenn ein Schäferhund einen Mörder fangen könnte.

Während ich auf meiner Decke liege, denke ich mir ein Schäferhund kann das wahrscheinlich nicht, aber ein Dobermann. Wir Dobbermänner sind viel intelligentere Hunde. Ich werde diesen Mordfall lösen. Aber wie, der - Rex ist ja auch bei der Polizei und hat nicht so ein strenges Frauchen und Herrchen, die einen Hund keinen Schritt alleine tun lassen. Der kann sich frei bewegen und kann dann auch die Täter aufspüren

Heute Mittag, war die Polizei wieder hier bei uns im Ferienhaus. Sie haben Herrchen noch eine Menge Fragen gestellt. Die Polizisten haben erzählt, daß es sich bei dem Mann um einen deutschen Urlauber handelte, der hier auch ein Ferienhaus gemietet hatte. Er hatte nur einen Hund bei sich, einen Schäferhund. Der Deutsche hat das Haus den ganzen Sommer über gemietet und war auch schon ein paarmal übers Wochenende da. Das Haus steht ganz in der Nähe von unserem Ferienhaus. Über den Mann ist der dänischen Polizei sonst noch nichts bekannt. Man weiß nur, daß der Mord gestern in den Abendstunden passiert sein muß. Vermutlich wurde der Täter beim Beseitigen der Leiche gestört, vielleicht sogar von uns. Der

Mann war da noch nicht sehr lange tot. Deswegen sollen wir auch am nächsten Tag noch mal zur Polizeistation kommen, um unsere Aussage schriftlich zu machen. Schade, daß wir Ihren Hund nicht verhören können, sagt der Polizist zu Herrchen, der hat die Leiche doch gefunden.

Jetzt liege ich hier im Gras und grübele. Wenn der Mann einen Schäferhund gehabt hat, dann würde es sich lohnen sich mal mit dem zu unterhalten. Aber leider verstehen die Menschen den nicht. Aber ich würde den verstehen. Allerdings müßte ich mich sehr überwinden damit ich mich nicht gleich auf den stürze. Im Gegenteil ich müßte dann so tun als wäre er mir sympathisch und Freundschaft heucheln. Aber wie komme ich an den dran. Ich bin überzeugt, wenn ich die Gelegenheit hätte, mit dem zu reden, daß ich dann der Lösung ein großes Stück näher wäre

Neugierig gehen meine Menschen bei unserem Abend-spaziergang an dem Haus vorbei, wo der Mann gewohnt hat. Die Läden vor den Fenstern sind zu. Von dem Schäferhund ist nichts zu sehen. Ich schnüffele und rieche ihn noch. Er kann noch nicht solange weg sein. Herrchen überlegt auch schon, wo der arme Hund jetzt wohl ist, wo sein Herrchen nicht mehr da ist. Stimmt der hat ja jetzt gar kein Herrchen mehr. Er tut mir irgendwie schon leid. Ich stelle mir lieber nicht vor, wie es wäre, wenn mein Herrchen nicht mehr da wäre. Vielleicht ist der Hund gar nicht so übel, auch wenn es ein Schäferhund ist. Ich sollte ihm eine faire Chance geben. Ich schnüffele das ganze Grundstück ab. Das Haus hat wie unseres einen großen Garten. Der Garten ist an drei Seiten von großen Kiefern und Tannen umsäumt. Vorne vor dem Haus ist ein kleine Hecke aus Strandrosen. Die wachsen hier überall und blühen feuerrot. Unter den vielen Gerüchen, schnüffle ich einen starken Menschengeruch. Ob so der Mörder gerochen hat?

In dieser Nacht schlafe ich schlecht, ich denke immer darüber nach, was der Hund jetzt wohl macht, so ganz ohne einen Menschen der ihn gerne hat und ihn streichelt und füttert. Wahrscheinlich werden ihn die Menschen jetzt in eine Tierheim stecken. Das droht Frauchen mir auch immer an, wenn ich nicht lieb war. Dort kommen alle bösen Hunde und alle Hunde die keine Menschen mehr haben hin. Ob es in Dänemark auch Tierheime gibt?

Am nächsten Morgen gehen wir nach dem Frühstück einkaufen. Vorne in den Supermarkt im Dorf werden Herrchen und Frauchen ständig auf meinen Fund angesprochen. Alle Menschen sehen mich respektvoll an. Ich bin ein Star geworden. In der Zeitung die Herrchen mir zeigt, ist mein Bild drin. Herrchen ließt mir vor, was darunter steht, Deutscher Dobermann gräbt die Leiche eines deutschen Urlaubers aus. Noch viel lieber würde ich den Mörder der Leiche finden, denke ich. Ich bin ganz besessen von dem Gedanken und komme nicht mehr von der Idee los. Ich muß heraus bekommen, wo der Schäferhund jetzt ist.

Nachmittags müssen wir noch mal zur Polizei. Die Polizeistation ist ein kleines weißes Friesenhaus mit blauen Fensterläden. Ich darf mit hinein und habe Glück, Herrchen scheint mein Gedanken zu lesen und fragt den Polizisten, wo der Schäferhund hingekommen ist. Der Polizist sagt, das man den Hund vorgestern Abend in die Polizeistation gebracht hat, nachdem die Leiche von seinem Herrchen gefunden wurde. Der Hund hat die Nacht dort verbracht. Am nächsten Morgen wollte die Polizei ihn dann in ein Tierheim bringen. Dort sollte er bleiben, bis aus Deutschland Nachricht kommt, was mit ihm geschehen soll. Die Ehefrau des Herr Meinecke, so hieße der Tote, wurde vorgestern Abend noch benachrichtigt, sei aber bis jetzt noch nicht in Vejers eingetroffen. Als der Polizist den Hund heute Morgen ins Tierheim bringen wollte, wurde er von dem Schäferhund angegriffen. Der Polizist war so erschrocken, daß er sich nicht mehr getraute den Hund anzufassen und so konnte der Hund flüchten.

Dumm jetzt komme ich wahrscheinlich gar nicht mehr an den Hund dran. Dann würde mein ganzer Plan ins Wasser fallen. Das wäre meine große Chance gewesen. Ein Gespräch unter Hunden und ich wüßte mehr.

Auch der Polizist meint zu Herrchen, daß der Hund wahrscheinlich den Mörder gesehen hatte, da der Fundort nicht der Tatort gewesen ist. Die Spurensicherung hat ergeben, daß der Mord in dem Ferienhaus passiert ist. Ich wußte es doch, der Schäferhund weiß wahrscheinlich alles.

Als wir die Polizeistation verlassen, fährt ein weißes Auto vor. Eine schwarzhaarige Frau in einem weißen Kostüm steigt aus. Die Frau hat ihre Haare zu einem Knoten hochgesteckt und trägt eine dunkle Brille. Herrchen hat mich an der kurzen Leine, aber trotzdem gelingt es mir sie mal kurz anzuspringen und zu schnüffeln. Ich nehme sofort den Geruch eines Hundes war und knurre in ihre Richtung. Herrchen entschuldigt sich artig für mein Benehmen und nachdem wir im Auto sind, schimpft er mit mir. Wotan, Du weißt doch, daß Du keine Menschen anspringen sollst. Ich denke Herrchen, jeder hier ist doch verdächtig und als richtiger Kommissar muß ich jeder Spur nachgehen und das kann ich nur mit meiner Nase.

Am nächsten Morgen ist bei uns in der Hütte große Aufregung. Wir stehen schon mitten in der Nacht auf und alle meine Menschen laufen wild durcheinander. Jeder will ins Bad und zwischendurch sitzen sie am Eßzimmertisch und trinken Kaffee. Ich verstehe die Aufregung nicht und liege auf meine Decke und gucke ihnen amüsiert zu. Menschen sind schon sonderbare Geschöpfe. Nachdem alle vier nacheinander längere Zeit im Badezimmer verschwunden waren, werde ich ins Auto verladen. Frauchen sagt zu mir, Wotan freue Dich, wir fahren heute mit einer Fähre nach Sylt. Du wirst ganz neue Dinge erleben. Aber erst müssen wir mit dem Auto nach Romö. Das ist eine dänische Insel und von dort geht dann die Fähre nach Sylt. Auch das noch, daß schmeißt mich in meinen Ermittlungen um Tage zurück. Wenn wir jetzt einen ganzen Tag nicht da sind, wird die Spur die zu dem Mörder führt ziemlich kalt.

Ich liege hinten im Auto und überlege mir, was wohl eine Fähre ist. Bald erfahre ich es, eine Fähre ist ein riesengroßes Blechtier mit einem offenen Bauch und von genau dem Bauch wird uns Auto gefressen. Ich lege mich hinten ganz flach hin. Herrchen und Frauchen wollten mich doch tatsächlich, nachdem das Tier uns gefressen hat, dazu bewegen aus meinem Auto auszusteigen. Die spinnen wohl. Es ist fast stockdunkel in dem Tier. Ich zittere vor Angst und bin nicht dazu zu bringen mein sicheres Auto zu verlassen. Frauchen Du hast gelogen, das macht mir keinen Spaß. Warum mußten wir auch nach Sylt fahren. Wir bleiben ewig im Bauch von dem Tier, von dem Frauchen sagte es wäre eine Fähre. Ich liege schlotternd auf meinem Platz, aber wenigstens bleiben Frauchen und Herrchen bei mir, Pflugs sind während der ganzen Zeit verschwunden. Endlich spuckt uns das Tier wieder aus. Ich sehe wieder Sonne und blauen Himmel über mir. Gott sei Dank, ich habe es überlebt.

Sylt ist ganz schön, ähnlich wie in Dänemark. Wir gehen in den Dünen spazieren. In einem Ort, von dem Frauchen sagt, er heißt Westerland laufen wir herum und Frauchen kauft ein. Es gibt hier viele Geschäfte, aber auch viele Hunde. Irgendwie können die mich heute nicht interessieren. Ich gehe mit stolz erhobenem Kopf durch die Straßen von Westerland. Viele Leute gucken Herrchen neidisch an . Mein Selbstbewußtsein steigt wieder, nach dem Schrecken mit dem Fährtier kann mich heute nichts mehr aus der Ruhe bringen.

Nachmittags frißt uns das Fährtier wieder. Ich hoffe, daß ich es wieder so gut überstehe, wie am Morgen. Ich bin sauer mit Frauchen und Herrchen und drehe den Kopf weg, als Frauchen mich streicheln will.

Abends gehen wir noch mal kurz spazieren. Heute bin ich auch zu müde, um Kommissar zu spielen. Ich schlafe total erschöpft ein und denke nicht mal mehr an den Mord.

Als ich wach werde, regnet es in Strömen. Das ist ganz schlecht, man kann wieder keine Spuren von dem Mörder erschnüffeln. Alle Spuren die noch da gewesen wären, sind abgewaschen durch den Regen. Wir bleiben fast den ganzen Tag im Haus. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken. Wo wird der Schäferhund sein. Was wird ihm durch den Kopf gehen. Bestimmt trauert der ganz schrecklich um sein Herrchen und er wird sich sehr einsam fühlen.

Als wir Nachmittags spazieren gehen, treffen wir auf andere Deutsche Urlauber mit denen meine Menschen sich unterhalten. Zwei Frauen und zwei Männer. Ich sitze ganz brav im Sand und höre ihnen zu. Ich schnüffle an den Menschen. Nach Hund riechen die nicht. Natürlich reden die wieder über den Toten. Die Frauen gucken mich respektvoll an. Na Du, sagt die eine zu mir, Du Armer hast so einen schrecklichen Fund gemacht. Mein Frauchen streicht mir stolz über den Kopf. Der Wotan, sagt sie, gräbt furchtbar gerne im Sand und hat dabei schon alles mögliche gefunden. Aber daß er so etwas findet, damit haben wir auch nicht gerechnet

Wir kommen wieder an dem Fundort vorbei. Rotweißes Band ist in einem großen Umkreis darum gespannt undflattert lustig im Wind. Ich laufe hin und spiele mit dem Band fangen. Aber immer wenn ich zubeißen will, kommt eine Windböe und das Band fliegt wieder weg. Ein kurzes Stück hinter der Stelle, wo ich den Mann gefunden habe, weckt ein interessanter Geruch meine Nase. Ich fange gleich wieder an zu graben und ziehe einen blauen Fetzen aus dem Sand. Ich bin ganz stolz, schon wieder was gefunden. Ich ziehe das blaue Ding hinter mir her und zeige es Herrchen. Wotan, wo hast Du denn den Schal schon wieder her. Du sollst doch nicht immer alles was Du hier am Strand findest ins Maul nehmen. Dem Schal haftet ein starker Geruch an. Ekelhaft, ich bin ganz froh als Herrchen mir das Ding wieder abnimmt.

Plötzlich sehe ich weit oben in den Dünen einen Schatten. Meine scharfen Augen lassen sich nicht täuschen. Das kann keine Spiegelung von der Sonne gewesen sein. Ich hebe meine Nase hoch in die Luft und schnüffele. Richtig, daß hier riecht nach Hund. Ich belle und knurre kurz. Herrchen mahnt mich zur Ruhe. Als ich das nächste Mal hochsehe, sehe ich ganz deutlich den Hund. Ja, das muß er sein. Da oben läuft der Schäferhund herum. Bestimmt sucht und riecht der hier sein Herrchen. Das ist meine Chance ich drehe mich um und sehe, daß Frauchen mich an der Leine hat. Günstig, schnell wächst ein Plan in mir heran, viel Zeit kann ich mir dafür nicht nehmen, sonst ist der Hund weg. Ich laufe voraus, drehe mich dann schnell herum und beschleunige mein Tempo, wobei ich auf Frauchen zulaufe. Mein Plan gelingt, in dem Moment indem ich Frauchen anspringt, fällt sie auch schon um und läßt die Leine los. Schnell mache ich kehrt und bin frei. Die Leine ziehe ich zwar hinter mir her, aber das stört mich hier nicht weiter. Es gibt ja keine Bäume um die ich mich verwickeln könnte. Alles ist frei. Ich sause hoch in die Dünen. Herrchen läuft hinter mir her und schreit: Steh, Wotan, steh. Aber es nutzt ihm nichts. Ich bin sowieso zu schnell für ihn und auf seine Kommandos höre ich in den wenigsten Fällen. Ich laufe durch die wunderschöne Dünenlandschaft. Rechts und links vom Weg wächst Heide. Wenn ich die Nase hebe, rieche ich den Hund. Die Luft riecht hier zwar immer nach Kiefern und Gras, aber meiner Nase entgeht der Geruch eines Schäferhundes nicht. Ich springe kreuz und quer meiner Nase nach. Weit vorne sehe ich den Schäferhund stehen. Er steht ganz still und bewegt sich nicht. Hoffentlich bleibt der nicht stehen. Das wäre schlecht, dann hätte Herrchen uns schnell eingeholt. Aber Gott sei Dank dreht der Hund sich um und läuft los, als ich auf den zulaufe. Wir laufen eine Zeitlang hintereinander her. Ab und zu drehe ich mir herum um zu sehen, wie weit Herrchen noch von mir entfernt ist. Er kommt weit hinter uns. Aber meine Entfernung zu dem Schäferhund wird immer kürzer. Wahrscheinlich kann er nicht mehr. Er hat bestimmt in den letzten beiden Tagen, seit er abgehauen ist, nichts mehr zu fressen bekommen, außerdem wird er schlecht schlafen, weil er ja nicht weiß, wo er hin soll. Ich denke, lauf noch ein bißchen, bald haben wir mein Herrchen abgehängt und dann können wir in Ruhe miteinander reden. Aber er kann meine Gedanken anscheinend nicht lesen, als hätte ihn der Blitzschlag getroffen, bleibt der plötzlich stehen und läßt sich in den Sand fallen. Ich bin Sekunden später bei ihn. Erschöpft liegt er im Sand und hechelt. Ich komme langsam näher. Damit er merkt, daß ich in friedlicher Absicht komme, werfe ich mich kurz vor ihm auch in den Sand. Ich bin etwas außer Puste. Als ich mich herum drehe, sehe ich, daß Herrchen schon ziemlich nahe ist. Schnell robbe ich auf dem Bauch zu dem Hund. Keine Angst, sage ich zu ihm, ich werde Dir nichts tun. Er knurrt mich an. Ich will nur mit Dir reden. Es ist sehr wichtig, es geht um Dein Herrchen. Sein Ohren, die eben noch schlaff herunter hingen, gehen kerzengerade in die Höhe. Er kann kaum reden, so sehr ist er am keuchen. Wo ist mein Herrchen, was weißt Du darüber, röchelt er. Mein Herrchen ist schon lange verschwunden. Ich überlege, der weiß noch garnicht, daß sein Herrchen eine Leiche ist und irgendwo steif in einer Kiste liegt, in die die Polizisten ihn gelegt haben. Dann weiß der auch nicht viel über den Mord. Oder vielleicht doch. Wie kann ich ihm schonend beibringen, was mit seinem Herrchen passiert ist. Ich drehe mich herum, und sehe mein Herrchen in einigen Meter Entfernung stehen. Er redet beruhigend auf mich ein. Wotan, tue ihm nichts, das ist bestimmt der arme Schäferhund von dem toten Mann. Ach Herrchen, denke ich, daß Du aber auch immer alles mißverstehst, ich will dem doch gar nichts tun. Herrchen ist jetzt bei mir angekommen. Jetzt liege ich fast Fell an Fell mit dem Schäferhund. Schnell greift Herrchen nach meinem Halsband und hält mich fest. Die andere Hand streckt er vorsichtig dem Schäferhund entgegen. Der schnüffelt an Herrchens Hand. Ich sage zu ihm, Du brauchst vor meinem Herrchen keine Angst zu haben. Der tut Dir bestimmt nichts. Der Hund ist viel zu erschöpft und nur noch am hecheln. Anscheinend ist er froh, daß ein Mensch mit ihm spricht und sich um ihn kümmert. Er hat auch ein Halsband an. Herrchen läßt sich von dem Hund die Hand ablecken und grault ihn dann am Hals. Du Armer, sagt er zu ihm, komm mit uns, wir tun Dir nichts, dann bekommst Du erst mal was zu fressen. Er greift zu und hat ihn am Halsband. Mittlerweile sind Frauchen, Karin und Rudi auch bei uns eingetroffen. Frauchen hat wegen mir immer eine zweite Leine dabei. Die ist eigentlich dafür bestimmt, mir eine überzuziehen, wenn ich mal wieder nicht höre. Jetzt nimmt Sie die Leine und macht den Schäferhund damit fest. Vorsichtig streichelt sie ihn. Man kann richtig sehen, wie er das genießt. Gut, daß ich nicht eifersüchtig bin. Herrchen und Frauchen reden beruhigend auf ihn ein und Herrchen fordert ihn auf mit uns zu kommen. Als mein Herrchen „Fuß“ ruft steht der gehorsam auf und geht um Herrchen herum auf dessen linke Seite und geht schön Fuß bei Herrchen. Herrchen dreht sich beifallheischend nach mir herum. Sein Blick sagt mir, siehst Du Wotan, esgibt auch noch Hunde die brav sind und hören können. Ich gucke beschämt unter mich. Natürlich wenn ich wollte, dann könnte ich das auch alles. Aber es würde mir keinen Spaß machen, immer ordentlich Fuß zu gehen und außerdem wäre es stink langweilig. Ich gehe mit Frauchen und der Schäferhund mit Herrchen. Herrchen sagt zu Frauchen, wir nehmen den erst mal mit zu uns. Er muß jetzt was zu fressen haben und braucht auch mal eine Mütze voll Schlaf. Morgen können wir ja dann mit der Polizei reden, was mit ihm passieren soll

Das ist mir ausnahmsweise mal sehr recht. Im Normalfall hätte die beiden ganz schön Ärger mit mir bekommen, wenn die einen anderen Hund mit in mein Haus genommen hätten. Aber so gibt mir das doch die Gelegenheit ein ausführliches Gespräch mit dem Hund zu führen. Während ich neben Frauchen her trotte, überlege ich, wie ich jetzt vorgehen werde. Ich muß vorsichtig sein, um den Hund nicht zu erschrecken. Er weiß ja noch nicht die volle Wahrheit. Eigentlich bin ich meinem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Ich kann gleich meine erste Zeugenbefragung als Kommissar vornehmen.

Als wir in unserem Sommerhaus angekommen sind, macht Frauchen schnell Futter für uns. Da wir nur einen Futternapf haben, sollen wir beide aus dem gleichen Napf fressen. Das geht natürlich nicht. Jetzt muß ich dem Schäferhund beweisen, daß ich hier die erste Geige spiele und das auch zukünftig bleiben werde. Ich knurre ihn auf übelste Weise an als er sich meinem Futternapf nähert. Verschreckt, zuckt er zurück. Hunger habe ich zwar überhaupt nicht, aber um auf mein Recht zu pochen, muß ich als Erster fressen. Ich mache mich über die Hundewurst her. Widerwillig fresse ich alles auf. Frauchen guckt total erstaunt. Nanu Wotan, Du bist doch sonst nicht so verfressen. Wir müssen uns wohl noch einen zweiten Hund zulegen, damit Du jeden Tag so gut frißt. Dem Schäferhund läuft der Speichel die Leftzen runter. Der schiebt ganz schön Kohldampf. Ich zeige mich gnädig. Als Frauchen den Futternapf wieder mit Hundewurst und Dokos gefüllt hat, trete ich großzügig zur Seite, damit der nicht tot umfällt. Ein Toter genügt mir fürs Erste.

Der Schäferhund kommt zitternd am ganzen Körper näher. Er läßt mich nicht aus den Augen, aber sein Hunger ist größer. Während er gierig frißt, schaut er mich bei jedem Bissen an. Ich liege vor ihm und zeige ihm damit, daß ich friedlich bin. Als er fertig ist, leckt er den Napf aus und guckt Frauchen erwartungsvoll an. Na Du kleiner Freßsack lacht sie, Du willst wohl noch mehr. Sie legt noch mal zwei Hände voll Dokos nach. Auch die sind ruckzuck im Maul des Rüden verschwunden. Noch kauend sagt er zu mir, wie Du heißt weiß ich ja jetzt, deswegen nur der Vollständigkeit halber, mein Name ist Tim, damit Du weißt wie Du mich anreden mußt. Mein Gott, ist der eingebildet. Ich wußte schon immer warum ich keine Schäferhunde mag. Irgendwie haben die alle ein Rad ab. Ich schaue ihn mir näher an. Der könnte glatt als Doppelgänger für den Rex im Fernsehen arbeiten. Eigentlich ist er ganz schön auch wenn der nur ein Schäferhund ist. Sein Fell ist allerdings ziemlich glanzlos und ganz voller Sand. Frauchen ist das auch gerade im Moment aufgefallen. Sie holt meine Hundebürste und bürstet ihn damit. Das geht nicht, erst komme ich, obwohl ich erst vor unserem Spaziergang gebürstet worden bin, drängle ich mich an Frauchen. Sie schüttelt den Kopf, Wotan sei doch nicht so eifersüchtig, Du hast es doch gar nicht nötig gebürstet zu werden. Aber guck mal der arme Hund, der ist doch schon seit Tagen nicht mehr gepflegt worden und das bei dem langen Fell. Na gut, Frauchen, nach zwei Bürstenstrichen über mein Lackfell, mache ich Platz für den Streuner. Frauchen bürstet bestimmt eine halbe Stunde über sein Fell. Als sie fertig ist glänzt er fast so wie ich. Frauchen streichelt den jetzt und spricht mit ihm, Du armer, hast kein Herrchen mehr. Du hast Schlimmes erlebt und weißt bestimmt wer Dein Herrchen umgebracht hat.

Peng, Frauchen das saß. Tim zuckt als er das gehört hat, gewaltig zusammen. Er läßt sich fallen und legt seinen Kopf auf die Pfoten. Frauchen sagt zu Herrchen, guck mal, man meint der hätte mich verstanden und trauert jetzt wieder um sein Herrchen. Frauchen, wie soll ich das wieder gut machen. Ich lege mich neben ihn und lecke ihm mit meiner Zunge über den Kopf. Laß die Ohren nicht hängen alter Freund. Ich wollte es Dir schonend beibringen, aber Menschen sind manchmal total tolpatschig. Er antwortet mir nicht. Still liegt er da und guckt vor sich hin. Manchmal seufzt er auf. Ich weiß jetzt auch nicht weiter. Ich beobachte ihn noch eine Zeitlang und schlafe dann ein. Als ich wach werde, schläft er auch. Wir liegen dicht nebeneinander auf meiner Decke. Alles sieht sehr friedlich aus. Das hätte mir vor einer Woche mal einer erzählen sollen, daß ich mit einem Schäferhund auf einer Decke schlafe. Frauchen, Herrchen und Pflugs sind am Karten spielen. Herrchen hat gemerkt, daß ich wach bin. Laß ihn schlafen, Wotan sagt er zu mir, der Arme hat bestimmt die letzten Tage und Nächte nicht viel geschlafen. Der schläft und schläft, selbst als Herrchen und ich vor dem Schlafengehen noch mal eine Runde drehen, schläft er weiter. Tim schläft die ganze Nacht durch. Ab und zu, wenn ich wach werde, stupse ich ihn mal an, aber der ist nicht wach zu kriegen.

Erst Morgens als meine Menschen aufstehen, rührt sich auch Tim. Er streckt sich wohlig und wälzt sich auf den Rücken. Guten Morgen, sagt er freundlich zu mir. Tut mir leid, daß ich so viel geschlafen habe, aber heute Nacht habe ich mich das erstemal seit langer Zeit wieder wohl und satt gefühlt. Das mußte einfach sein. Herrchen nimmt uns beide an die Leine und wir drehen eine Runde. Als wir an dem Haus vorbeikommen, wo Tim vorher mit seinem Herrchen gewohnt hat, zieht Tim an der Leine und will dort rein. Herrchen zieht ihn weg. Weiß Du, sagt er zu ihm, Du kannst dort nicht mehr hin. Dein Herrchen ist dort auch nicht, der kommt leider nicht mehr wieder, aber wir werden versuchen, daß Du erst mal hier bei uns bleiben kannst, bis sich Dein Frauchen gemeldet hat.

Als wir wieder bei uns im Haus sind und die Menschen alle frühstücken, lege ich mich zu Tim. Du bist in einer schlimmen Situation, sage ich zu ihm, ich beneide Dich bestimmt nicht. Du weißt ja jetzt, was mit Deinem Herrchen passiert ist, aber das einzige was Du jetzt noch für ihn tun kannst, ist zu versuchen, den Menschen zu helfen, seinen Mörder zu finden.

Ach, seufzt er, wie soll ich das den machen. Ich bin doch nur ein Hund und kann den Menschen dabei bestimmt nicht helfen. Außerdem würde ich den Mörder in Stücke reißen, wenn ich nur wüßte wer es gewesen ist. Aber ich habe keine Ahnung. Ich war mit Herrchen spazieren und als wir zurückgekommen sind, hat es bei uns an der Tür geklopft. Herrchen hat mich wie immer in das hintere Zimmer gesperrt, wenn Besuch gekommen ist. Dort kann nicht mal ein Hund viel wahrnehmen. Ich habe zwar Stimmen aus dem Wohnzimmer gehört und ich meine auch daß die eine Stimme eine Frauenstimme gewesen ist, aber genau sagen kann ich das nicht.

Ich versuche mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Dumm gelaufen, der kann mir auch nicht sehr dabei helfen den Mörder zu fangen. Aber so schnell gebe ich nicht auf. Vielleicht hast Du ja einen Verdacht, wer Dein Herrchen aus dem Weg haben wollte. Er überlegt eine Zeitlang, dann sagt er zu mir, an ehesten würde ich das meinem Frauchen zu trauen. Ich bin entsetzt und gucke zu meinem Frauchen hin. Ein Frauchen liebt doch sein Herrchen und würde den doch nicht umbringen. Der muß sich täuschen. Nein, sage ich zu ihm, daß kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem hat kein Frauchen soviel Kraft, einen ausgewachsenen Menschen und noch dazu ein Herrchen wegzuschleppen. Die Kraft von meinem Frauchen kenne ich ganz genau. Wenn ich richtig losziehen würde, dann hätte mein Frauchen keine Chance gegen mich. Aber mein Herrchen hat viel mehr Kraft und ich würde bei dem lieber nicht versuchen ihn wegzuziehen. Deswegen verwerfe ich die Idee von Tim sofort. Eine Frau kommt dafür nicht in Frage.

Doch, sagt Tim, ich habe nicht so ein Frauchen wie Du. Mein Frauchen mag zum Beispiel keine Hunde. Als mein Herrchen mich damals geholt hat, war sie stinksauer und hat tagelang nichts mehr mit ihm geredet. Sie hat zu ihm gesagt, glaube bloß nicht, daß ich mich um den Köter kümmere und was der erst für einen Dreck in die Wohnung bringt. Du kannst mir nicht zumuten, daß ich die Sauerei weg mache. Aber Herrchen ist hartnäckig geblieben und so durfte ich bleiben. Wenn ich jetzt keine Herrchen mehr habe, dann habe ich auch keine Zuhause mehr, denn diese Frau will mich bestimmt sofort los werden.

Ich bin entsetzt als ich das alles höre. So etwas kann ich nicht glauben. Ich darf soviel Dreck machen wie ich will. Im Gegenteil, Frauchen lacht dann immer und macht die Sauerei gleich wieder weg, wenn ich mal Dreck von draußen mit rein bringe. Sie sagt immer, lieber ein wilder und gesunder Hund, als ein Kranker.

Er sagt, die beiden hatten immer nur Krach, aber nicht nur wegen mir, sondern meistens wegen Geld. Herrchen war immer ziemlich sauer, wenn Frauchen wieder so viel Geld ausgegeben hat und dann gab es immer Krach. Mein Frauchen hatte dafür kein Verständnis, daß sie mit demGeld das Herrchen verdient hat, nicht um sich werfen durfte. Deswegen glaube ich auch, daß die froh wäre, wenn sie keinen mehr hat, der ihr sagt, wieviel Geld sie ausgeben darf. Mein Herrchen muß ziemlich reich gewesen sein. Frauchen hat nie was gearbeitet und wenn Herrchen nicht da war, dann mußte ich immer im Zwinger sitzen.

Solche Verhältnisse sind mir fremd. Na ja, aber wenn man ihm so zuhört, dann könnte man schon glauben, daß sein Frauchen ein ziemliches Bist ist. Aber trotzdem, sie kann einen Mann nicht so weit tragen oder schleppen oder aber sie müßte mindestens soviel Kraft habe wie mein Herrchen. Als ich das noch mal zu bedenken gebe, sagt er, vielleicht hat sie Hilfe gehabt und ein Mann hat mein Herrchen weggeschleppt. Aber den Mord an ihm hat sie bestimmt begangen.

Nach dem Frühstück fahren wir alle zur Polizeistation. Tim muß hinten bei mir im Kombi sitzen. Mit zwei Hunden ist das ziemlich eng. Aber es ist ja nur ein kurzes Stück. Meine Menschen verhandeln mit den zwei Polizisten wegen Tim. Nein, sagt der eine Polizist, das geht nicht, gestern Mittag ist das Frauchen von dem Tim angekommen und die will ihn bestimmt mitnehmen. Wir beide sehen uns an, der Tim schüttelt den Kopf, die will mich bestimmt nicht mitnehmen. Herrchen sagt, gut dann fahren wir zu ihr und reden mit ihr.

Die Frau wohnt in dem Haus, wo auch der Mann gewohnt hat. Tim erkennt das Haus sofort und ist vor mir aus dem Auto raus. Er rennt zur Tür und knurrt. Bevor Herrchen und Frauchen an der Tür sind, hat die Frau die Tür schon aufgemacht. Es ist die Frau mit dem schwarzen Knoten von gestern. Ich erkenne sie sofort an ihrem Parfüm. Heute trägt sie eine schwarze Hose und einen schwarzen Rollkragenpullover. Sie ist sehr freundlich zu uns. Frauchen reicht ihr die Hand und stellt sich vor, angenehmsagt sie, ich heiße Meinecke. Herrchen und Frauchen wünschen Ihr Beileid. Die Frau streichelt Tim sogar und sagt zu meinen Leuten. Gott sei Dank, daß der Hund wieder aufgetaucht ist ich habe mir schon solche Sorgen um ihn gemacht. Tim knurrt wieder laut und deutlich. Herrchen sieht Frauchen an und sagt, uns macht es gar nichts aus wenn der Tim noch eine Zeitlang bei uns bleibt. Er versteht sich so gut mit unserem Wotan, es wäre wirklich schade, wenn wir die beiden jetzt trennen würden. Die Frau bittet uns ins Haus. Sie bietet Frauchen und Herrchen was zu trinken an. Beide lehnen höflich ab.

Die Menschen setzen sich auf das Sofa. Die Frau wirkt sehr verlegen. Ja, wissen Sie, sagt sie im Moment wäre ich sogar dankbar, wenn Sie den Tim noch ein paar Tage behalten würden. Sie können sich sicherlich denken, daß ich jetzt im Moment genug Probleme am Hals habe. Ich muß sehen, daß die Leiche meines Mannes schnellstmöglich freigegeben wird, damit ich mich um die Beerdigung kümmern kann. Herrchen fragt ob die Obduktion schon erfolgt sei. Ja, bestätigt die Frau, die Obduktion war gestern und man hat festgestellt, daß ihr Lars wohl vorher betäubt worden ist, und danach erst erwürgt wurde.

Wir wollen Sie dann auch nicht länger aufhalten, sagt Herrchen, er zeigt ihr noch wo wir wohnen, falls sie den Tim doch noch holen möchte und dann verabschieden wir uns. Im Auto fängt der Tim sofort wieder an. Siehst Du Wotan, die hat ihn erst betäubt und dann hat sie ihn erwürgt. Ich sage Dir, die war das. Ich gebe ja zu, daß die mir auch nicht sehr sympathisch ist. So ein Frauchen wollte ich auch nicht haben. Die hat während des Gesprächs ständig unsichtbare Haare von Ihrer schwarzen Hose entfernt. Ich kann mir denken wie erbost die wäre, wenn der Tim sie mal anspringen würde oder vielleicht mit ihr versuchen wollte zu schmusen. In der Nähe von der Alten würde sogar ein heißer Grill zu einem Eisblock erstarren.

Aber so ganz kann ich immer noch nicht der Theorie von Tim Glauben schenken. Die kann es einfach nicht schaffen, einen erwachsenen Mann zu tragen noch dazu einen toten Mann.

Wir zwei gehen Nachmittags mit allen vier Menschen am Strand entlang spazieren. Das wirklich Gute an Tim ist, daß Frauchen mich jetzt auch ohne Leine laufen läßt. Sie sagt, ich verlasse mich voll auf den Tim, der hört so gut, daß Du dir da vielleicht mal ein Beispiel dran nimmst. Wir kosten das voll aus und laufen am Strand weit voraus. Aber brav wie der Tim ist, kommt er immer sofort zurück, wenn Herrchen ruft. Blöd, dann muß ich natürlich auch zurückkommen. Auch wenn andere Hunde kommen, bleibt der schön brav bei Fuß und knurrt noch nicht einmal. Ich schon, der eine oder andere Hund wird mit einem bösen Knurren begrüßt. Hin und wieder, besonders dann wenn ich mich bedroht fühle, zeige ich auch schon mal die Zähne. Das Verhalten von Tim, beeindruckt Frauchen sehr. Ich sehe den ein oder anderen zärtlichen Blick dem sie ihm schenkt. Nun bin ich doch ein bißchen eifersüchtig.

Frauchen, Tim und ich spielen eine Zeitlang nachlaufen, bis Frauchen total außer Puste ist. Tim und ich laufen dann auch etwas langsamer nebeneinander her. Vor uns steht plötzlich ein Golden Redriver. Das sind wirklich schöne Hunde. Ich liebe alle Golden Redriver. Der hier ist ein Mädchen. Ich bin sofort verliebt. Hallo, sage ich und stupse sie zärtlich mit der Nase an. Auch Tim ist von ihr begeistert, ich sehe es an seinem Blick. Ich heiße Wotan und das ist Tim, beginne ich das Gespräch. Oh hallo, haucht sie, meine Name ist Sheila. Der Name paßt zu ihr. Er ist genauso zart wie sie. Frauchen und Herrchen kommen lachend an. Wotan, noch einen Hund den Du hier einsammelst können wir nicht auch noch in unserem Ferienhaus aufnehmen, sagt Herrchen. Du entwickelst ja langsam einen Sammeltrieb für Hunde. Bis gestern konntest Du fast überhaupt keine anderen Hunde leiden und heute hast Du schon den zweiten Freund gefunden. Hast Du kein Frauchen oder Herrchen frage ich sie. Doch, antwortet sie, aber ich darf auch manchmal alleine am Strand spazieren gehen. Sie läuft eine Weile neben uns her. Habt ihr schon gehört, daß hier am Strand ein Mann umgebracht worden ist, fragt sie uns. Tim sagt, ja ich weiß, daß war mein Herrchen. Was, Dein Herrchen hat einen Mann umgebracht, sagt sie ganz erschrocken. Nein, nein nicht mein Herrchen, mein Herrchen war der Tote. Sie bleibt steht, oh tut mir furchtbar leid, daß habe ich nicht gewußt. Ich sage, ja der Tote war sein Herrchen und wir beide suchen jetzt den Täter.

Wotan hat seine Leiche gefunden, sagt Tim zu ihr. Sie sieht mich beeindruckt an. Das war bestimmt nicht schön. Ich gucke verlegen zur Seite, immer wenn sie mich anspricht, werde ich total verlegen. So schlimm war es auch nicht, stammle ich. Ich wußte ja erst gar nicht, was das überhaupt ist. Vielleicht hast Du ja den Mörder auch gesehen sagt sie zu mir. Nein, Menschen haben wir an diesem Abend keine am Strand gesehen, es war menschenleer. Wann war das denn, als Du diesen schrecklichen Fund gemacht hast, fragt sie mich. Vor 3 Tagen sage ich zu ihr am späten Abend. Sie überlegt, da war ich auch am Strand spazieren, sagt sie. Ich habe da auch ein Auto mit einer Frau und einem Mann gesehen. Tim ist ganz aufgeregt, wie sah die Frau denn aus? Oh, das weiß ich ganz genau, sie hatte schwarze lange Haare und ein ziemlich aufdringliches Parfüm , sagt Sheila. Tim sieht mich an, siehst Du, sagt er, ich habe es gleich gewußt, es ist mein Frauchen. Sheila sieht Tim mitleidig an, Dein Frauchen ?. Ja, ja sagt Tim ganz aufgeregt, die ist widerlich, sie mag keine Hunde, hat mein Herrchen immer angeschrien, weil er ihr nicht genug Geld gegeben hat und weil er mich geholt hat. Sheila sagt, na ja dann wißt ihr ja jetzt wer der Mörder ist. Ihr müßt euch jetzt nur noch überlegen, wie ihr das den Menschen mitteilt, damit diese Frau ihre gerechte Strafe bekommt. Richtig, daß ist der Punkt, wie sollen wir das der Polizei erzählen. Ich werde versuchen es meinem Herrchen begreiflich zu machen. Wir drehen uns herum und halten Ausschau nach meinen Menschen. Ich laufe zu Herrchen und belle ihn an. Herrchen denkt ich will mit ihm spielen und lacht, nein Wotan Du hast doch jetzt den Tim zum spielen, da muß ich doch nicht herhalten. Resigniert gebe ich auf. Herrchen versteht mich nicht. Ich laufe zu der Stelle am Strand, wo ich die Leiche gefunden habe und fange an zu graben. Herrchen kommt hinter mir her. Nein Wotan, hier gehst Du schnell wieder weg. Du kannst zwar keine Spuren mehr verwischen, aber trotzdem muß das nicht sein und außerdem gehen wir jetzt nach Hause.

Sheila geht noch ein Stück des Weges mit uns, dann muß sie nach Rechts zu Ihrem Haus abbiegen. Ihr Frauchen steht in der Tür und wartet schon auf sie. Gut daß ich jetzt weiß wo sie wohnt. Ich werde heute Nacht von ihr träumen.

Nachts als alle Menschen schlafen, überlegen wir beide, wie wir den Menschen begreiflich machen können, daß wir wissen, wer der Mörder ist. Aber uns fällt beim besten Willen nichts ein.

Ich träume nicht von Sheila, sondern von Frauchen die mit einem Seil in der Hand hinter ihren Herrchen herlaufen um sie zu erwürgen. Ich wache zitternd auf. Tim ist auch wach geworden. Was ist den Wotan, fragt er mich. Ich kuschele mich dicht an ihn und bin froh daß er da ist.

Am nächsten Morgen beim Frühstück klopft es an der Tür. Vor uns steht das Frauchen von Tim, die Mörderin. Ich knurre sie bitterböse an. Tim ist verschwunden. Er hat seinen Schwanz zwischen die Beine gepackt und liegt im Schlafzimmer unter dem Bett. Herrchen ist sauer auf mich, Wotan, benimm Dich endlich, schreit er mich an, was soll die Frau Meinecke nur von Dir denken. Sie kommt herein, sieht mit hochgezogenen Augenbrauen, daß Frauchen und Karin noch ungeschminkt und ungewaschen am Frühstückstisch sitzen und gibt ihnen etwas pikiert die Hand. Ich wollte nur schnell Bescheid geben, daß die Leiche meines Mannes Morgen freigegeben wird und ich dann Morgen am späten Nachmittag den Tim abholen werde, um ihn mit nach Hause zu nehmen. Ach wie Schade, sagt Frauchen, wir sind noch eine Woche hier und dachten, daß der Tim solange noch bei uns bleiben darf. Die beiden verstehen sich so gut und sind mittlerweile gute Freunde. Als ich heute Morgen in ihr Zimmer kam, lagen sie engumschlugen nebeneinander und schliefen tief und fest. Ja schade, sagt die Frau, aber sie werden sicher verstehen, daß ich den Hund bei mir haben will.

Als Tim das hört, knurrt er aus dem Schlafzimmer heraus. Wotan, hörst Du wie die lügt, die will mich doch nur mitnehmen, um mich dann in Deutschland in ein Tierheim zu stecken. Vielleicht hat die mich auch schon für viel Geld verkauft. Ich habe schließlich Papiere und mein Herrchen hat damals auch viel Geld für mich bezahlt.

Wir sind beide sehr traurig. Als sie endlich weg ist, kommt Tim auch wieder unter dem Bett heraus. Herrchen sagt zu Frauchen, findest Du das nicht auch komisch, wie der Tim sich verhält, wenn sein Frauchen in der Nähe ist. Es sieht fast so aus als hätte der Angst vor ihr.

Den ganzen Tag scheint die Sonne und Tim und ich liegen im Garten und lassen uns von der Sonne wärmen. Ach, wäre das hier so schön, wenn der Tim Morgen nicht zu dieser Bestie müßte. Ich denke an meinen Traum von heute Nacht und bekomme es mit der Angst zu tun. Was ist wenn die den Tim auch noch umbringen will. Wegen einem Hund kommt bestimmt keine Polizei. Den könnte sie einfach so um die Ecke bringen, ohne daß sie eine Strafe zu befürchten hätte. Oh nein, ich lege meine Pfoten über die Ohren und bin total verzweifelt. Als Frauchen in den Garten kommt, findet sie mich so. Armer Wotan, sei doch nicht so traurig. Wenn wir wieder in Deutschland sind, dann besuchen wir den Tim einmal, verspricht sie mir, der wohnt gar nicht so weit weg von uns. Ach, Frauchen, darum geht es mir doch gar nicht denke ich, das schlimmste weißt Du ja noch nicht. Wenn Du Morgen den Tim dieser Frau wieder mitgibst, dann händigst Du ihn einer Mörderin aus, die ihn vielleicht auch noch umbringt.

Bei unserem Abendspaziergang trotten wir zwei neben einander her. Wir sind sehr schweigsam geworden. Eine Lösung ist uns bis jetzt noch nicht eingefallen. Die Nacht verbringen wir wieder eng aneinander gekuschelt. Oh, wie schlimm, wenn ich doch nur wüßte, daß es dem Tim wenigstens gut geht. Das wir die Frau jetzt doch nicht überführen können ist nur halb so schlimm.

Wie jeden Tag, holt Herrchen auch am nächsten Morgen wieder Brötchen. Er bringt die Zeitung mit und ist ganz aufgeregt als er zurückkommt. Er zeigt die Zeitung gleich Frauchen, die liest Karin und Rudi vor: Schon wieder eine Leiche am Strand gefunden. Gestern wurde in den Abendstunden die Leiche einer Frau im Wasser entdeckt. Neben dem Artikel ist ein Foto der Toten. Es handelt sich um Frau Meinecke, Tims Frauchen. Ich laufe schnell zu Tim ins Schlafzimmer, die Schlafmütze liegt noch auf der Decke. Tim ich habe eine gute Nachricht, rufe ich. Du kannst erst einmal hier bleiben und bist diese Bestie los. Sie kann Dich weder verkaufen noch umbringen, sie ist selbst abgemurkst worden. Tim springt schwanzwedelnd um mich herum. Wer hat die Alte wohl umgebracht überlegen wir beide. Die Hauptsache ist, daß der Tim nicht zu der Bestie muß. Aber im nächsten Moment wird uns klar, daß unsere gesamte Mordtheorie jetzt nicht mehr stimmen kann. Irgendwas müssen wir übersehen haben.

Wir ziehen uns in den Garten zurück und denken nach. Was war falsch an unseren Nachforschungen. Eigentlich hatten wir ja auch keine Beweise. Unsere Indizien waren sehr schwach, das schwarze Haar, daß das Auto am Stand von einer Frau gefahren wurde und das starke Parfüm. Ansonsten waren wir nur dem trügerischen Instinkt von Tim gefolgt. Vermutlich wurde die Frau von demselben Mörder getötet von dem auch ihr Mann umgebracht worden ist. Aber, auch das war auch nur eine reine Vermutung von uns. Ich glaube wir geben es auf. Wir sind doch keine guten Detektive. Mißmutig sehe ich Tim an, ich habe mich stark von Dir beeinflussen lassen. Deine Abneigung gegen Dein Frauchen hat auch meine gute Nase in die Irre geführt.

Sheila kommt bei uns im Garten vorbei. Sie sagt ich habe schon gehört, was passiert ist und wollte mal nach Tim sehen. Es tut mir so leid für Dich, sagt sie. Braucht Dir nicht, erwidert er, ich bin heilfroh daß ich die los bin. Der Täter hat mir in diesem Fall sogar einen großen Gefallen getan. Diese Frau war eine Bestie, die keine Menschen und keine Tiere mochte, nur sich selbst mochte sie. Deswegen bin ich sogar ein bißchen schadenfroh, daß sie jetzt ihre gerechte Strafe erhalten hat. Aber mein Herrchen muß trotzdem noch gerächt werden. Wir müssen unbedingt den Mörder finden. Das Beste ist, sagt er, ich brauche jetzt nicht mit der nach Deutschland, wer weiß was die mit mir angestellt hätte.


Ich lege meinen Kopf auf die Pfoten und denke nach. Nach einiger Zeit frage ich Tim, was wolltet ihr beide eigentlich ganz alleine hier oben, Du und Dein Herrchen. Oh, sagt Tim, daß waren immer die schönsten Tage im Jahr. Herrchen hat eine ganz liebe Freundin, Claudia. Die hat uns immer hier oben besucht. Sie wohnt in Dänemark und deswegen hat Herrchen auch das Haus für den ganzen Sommer gemietet. Wenn die beiden zusammen waren, dann war mein Herrchen richtig glücklich. Die Claudia die mochte mich auch sehr. Sie hat oft mit mir geschmust und gespielt. Ich habe von ihr auch immer besonders gutes Fressen bekommen.

Und wo ist diese Claudia jetzt, frage ich Tim. Ich weiß nicht, sagt er, sie wollte eigentlich am Wochenende kommen, so viel ich weiß, aber wahrscheinlich hat sie das mit Herrchen schon in den Zeitungen gelesen und sich dann gar nicht mehr hierher getraut. Claudia war aber nur an manchen Wochenenden bei uns und manchmal auch Abends unter der Woche. Warum, frage ich ihn, wenn die beiden doch so glücklich waren, warum war sie dann nicht öfter bei Euch. Tja, sagt Tim, eigentlich ist es ein Geheimnis zwischen Herrchen, Claudia und mir. Aber Claudia war verheiratet und wenn ihr Mann das heraus bekommen hätte, dann hätte ihr Mann sich von ihr getrennt und das ging nicht wegen der Kinder. Die hätte dann nämlich ihr Mann bekommen, weil hier in Dänemark die Scheidungsgesetze so sind, daß derjenige der den anderen betrügt, die Kinder in keinem Fall erhält. Das leuchtete mir ein, Frauchen würde mich auch nicht hergeben wollen. Auch nicht wegen einem anderen Mann, da bin ich mir sehr sicher.

In der ganzen Gegend ist durch die zwei Morde Unruhe eingekehrt Überall wo wir hinkommen spricht man von nichts anderem.

Frauchen nimmt mich Abends zur Seite, sie sagt ganz leise, damit der Tim es nicht hören kann, Wotan, wir sind nur noch vier Tage hier in Dänemark, dann fahren wir heim. Aber wir können den Tim nicht mitnehmen, Du weißt das wir beide, Herrchen und ich den ganzen Tag arbeiten müssen und die Omi kann nicht auch noch auf einen so großen Schäferhund aufpassen. Ich habe heute mit dem Frauchen von Sheila gesprochen, sie will den Tim erst einmal bei sich aufnehmen. Wahrscheinlich werden die ihn sogar behalten können. Die haben Platz ums Haus und das Frauchen von Sheila geht nicht arbeiten und ist den ganzen Tag zu Hause.

Sheila, irgendwie kann man den Tim beneiden. Er kann dann den ganzen Tag in ihrer Nähe sein, aber tauschen wollte ich trotzdem nicht mit ihm. Sehnsüchtig denke ich an meine Omi. Auch gegen Sheila würde ich die nicht eintauschen wollen.


Am nächsten Morgen dürfen wir beide mit zum Einkaufen ins Dorf. Während Herrchen im Supermarkt ist, wartet Frauchen mit uns beiden draußen. Wir beobachten die Leute die rein und raus gehen. Manchmal kommen Hunde vorbei, die wir mittlerweile schon vom Strand kennen. Es sind jetzt sowieso mehr Urlauber eingetroffen und auch am Strand ist es Abends nicht mehr so einsam. Herrchen kommt mit einer blonden Frau aus dem Supermarkt. Die beiden unterhalten sich. Als Tim die Frau sieht, wird er ganz aufgeregt, er läuft einfach los, und hört nicht einmal mehr auf Frauchens Befehl, der ihn zurück ruft. Der springt ganz aufgeregt an der Frau hoch und winselt vor lauter Freude. Sein Schwanz schlägt wie wild. Er legt ihr die Pfoten auf die Schultern und leckt ihr das ganze Gesicht ab. Ich beobachte diese Szene aus sicherer Entfernung neben Frauchen. Herrchen und die Frau kommen auf uns zu, Tim läuft freudig nebenher. Die Frau gibt Frauchen die Hand, wie die Menschen es nunmal so tun, und sagt Guten Tag, ich heiße Claudia Losert. Claudia ? - Aha, das muß Tims Claudia sein. Ich sehe sie mir näher an und schnüffle sie von oben bis unten ab. Hhm riecht ganz gut, sieht auch gut aus. Sie ist viel jünger als die Frau Meinecke und blonde Frauen sind sowieso viel sympathischer als schwarzhaarige. Tim sagt, ist sie nicht toll, so eine würde ich gern als Frauchen haben. Vielleicht wäre sie ja auch eines Tages mein Frauchen geworden, sinniert er weiter, wenn diese Katastrophe nicht passiert wäre.


Herrchen und Frauchen haben die Frau zu uns ins Ferienhaus eingeladen. Sie fährt mit ihrem Auto hinter uns her. Im Haus angekommen, sagt sie, ich wollte sie sowieso besuchen kommen, weil ich den Tim gerne noch einmal sehen wollte, wir sind nämlich Freunde. Ich habe am Strand erfahren, daß Sie den Tim bei sich aufgenommen haben.


Karin kocht schnell einen Kaffee und wir setzen uns alle in den Garten. Gespannt hören Tim und ich zu wie die Menschen sich unterhalten. Claudia klärt Frauchen und Herrchen auf. Sie sagt, ich war die Geliebte von Lars und wir haben hier in Vejers wunderschöne Tage verbracht. Sie fängt an zu weinen und Karin gibt ihr ein Tempo. Es ist alles so schrecklich. Jetzt wurde auch seine Frau noch umgebracht, wer kann nur so etwas scheußliches tun. Tja, wer tut so was, daß wüßten wir auch gerne, denke ich. Claudia sagt, daß Sie sich in Henne Strand ein Hotelzimmer genommen hat, weil sie ja schlecht in dem Ferienhaus von Lars wohnen kann. Sie ist mit einem Dänen verheiratet und in Deutschland geboren, erzählt sie Frauchen. Ich komme aus Frankfurt. Oh sagt, Frauchen, dann sind sie ja eigentlich auch ein Hesse. Sie nickt ja, ich bin auch heute noch oft in Frankfurt bei meinen Eltern. Bei einem dieser Besuche habe ich Lars kennengelernt.


Wir wollten uns am Donnerstagabend im Ferienhaus treffen, sagt sie. Aber als ich ankam, habe ich gerade noch gesehen wie ein Polizist den Tim ins Auto lud. Am Strand habe ich dann aus den Gesprächen der Leute erfahren, daß Lars umgebracht worden ist. Ich habe mich nicht getraut mich bei der Polizei zu melden. Außerdem hätte ich ja auch Nichts zu dem Verbrechen sagen können. Als ich ankam, war Lars ja schon tot. Sie weint, wieder, wäre ich doch nur früher gekommen, dann hätte ich den Mörder vielleicht gesehen, vielleicht sogar die Tat verhindern können. Samstagmorgen will mich mein Mann abholen . Zur Zeit ist er auf einer Geschäftsreise in den USA und kommt erst am Freitag zurück. Ich habe ihm gesagt, daß ich ein paar Tage an den Strand fahre, um mich zu erholen. Wissen Sie, mein Mann durfte von unserer Beziehung nichts erfahren, sonst hätte er mir die Kinder weggenommen. Die Kinder sind in den Ferien in Frankfurt bei Ihren Großeltern.


Tim und ich haben das Gespräch aufmerksam verfolgt. Die weiß auch nichts, sagt Tim. Ich bin mir da nicht so sicher. Im Moment ist alles und jeder verdächtig für mich. Wer weiß, ob die Frau die Wahrheit sagt. Ich sehe ihr ins Gesicht, sieht so eine Mörderin aus? Sie hat blaue Augen und das Gesicht ist von Wind und Sonne gebräunt. Wenn sie lächelt, dann hat sie lauter kleine Lachfältchen um die Augen. Sie wirkt ungeheuer natürlich. So kann doch keine Mörderin aussehen.

Claudia bleibt noch eine Zeitlang mit meinen Menschen im Garten sitzen. Als sie geht, kommt sie an der Garderobe vorbei. Oh, sie haben ja den gleichen Schal wie die Frau Meinecke sagt sie. Derselbe Schal hängt im Ferienhaus von Lars an der Garderobe. Nein, nein sagt Frauchen, daß ist nicht unser Schal. Wotan hat ihm am Strand gefunden. Ich weiß auch nicht warum wir das alte Ding nicht längst weggeworfen haben. Sie nimmt ihn vom Haken und hält ihn in der Hand. Claudia wird ganz blaß, daß ist der Schal aus dem Ferienhaus, sagt sie. Sehen sie nur, hieroben ist ein Loch, daß hat der Tim beim Spielen mit mir, genau dort hineingebissen. Es muß eindeutig der Schal aus dem Ferienhaus sein.


Herrchen schlägt sich mit der Hand vor die Stirn, natürlich sagt er, Wotan hat ihn ja unweit der Stelle gefunden, wo auch die Leiche von Herrn Meinecke gelegen hat. Der könnte sogar das Mordwerkzeug sein. Wir hätten ihn längst zur Polizei bringen müssen, daß wir da aber auch nicht dran gedacht haben.


Claudia verabschiedet sich und Herrchen geht mit, er sagt, ich bringe den Schal schnell aufs Polizeirevier.


Tim sieht mich übelgelaunt an. Das hast Du mir ja gar nicht erzählt, sagt er. Das ist doch eine wichtiges Indiz. Ich gucke beschämt unter mich, mit dem Mord habe ich diesen Fund doch nicht in Verbindung gebracht. Ich finde soviel am Strand, woher soll ich wissen, daß das der Schal von Deiner Alten war. Das hättest Du schon an dem Parfüm riechen müssen, Du Superkommissar, knurrt er mich an. Ich habe doch gedacht, Dein Herrchen ist mit dem Seil erwürgt worden, daß um seinen Hals war, als ich ihn gefunden habe.


Als Herrchen zurück kommt, sagt er, der Polizist war ziemlich sauer, als ich ihm sagte, daß Wotan den Schal bereits einen Abend nach dem Mord gefunden hat und wir ihn jetzt erst abgegeben haben, daß wir da aber auch nicht dran gedacht haben. Wir müssen heute Nachmittag noch mal zur Polizeistation kommen, den auch über den Fund muß ein Protokoll

Wenn ihr die Geschichte gerne zu Ende lesen möchtet, so schickt mir eine Mail, ich sende euch dann die komplette Datei als Mail-Anhang.